Re: Reiskörner zählen

Da ich nicht darauf warten kann, dass man mir ein Handtuch reicht, um mich abzutrocknen, muss ich wohl wieder das Fahrrad nehmen und so zum Marktplatz der Gefühle vordringen und da meine zum Verkauf anbieten wie verrottendes Obst, dass man am Ende des Tages sowieso umsonst weggibt, weil man froh ist, es nicht wieder mit nach Hause zu nehmen – die gute Nachricht, ich bin nicht eingerostet.

Auch wenn ich eingefroren war; mich wie eine kalte Fleischplatte auf einem Büffet voller frischer Früchte beim Sonntagsbrunch fühle, wo sich sowieso jeder nur lieber mit Sekt und O-Saft betrinkt, um die beunruhigende Tatsache zu verdrängen, dass das Wochenende bald rum ist.

Für alle, die keine Ahnung haben, wovon ich rede, ich bin wie eine kaputte Schallplatte, die sich immer wieder im Kreise dreht. Tja, dann muss ich wohl auf digital umsteigen. Ich hab auch keine Ahnung, woher diese Handtücher immer kamen. Vielleicht gibt es ja einen geheimen Handtuch-Umschlagsplatz, wo Handtücher gegen. Mist, jetzt hab ich den Faden verloren. Und dabei habe ich uns so eine schöne Geschichte gesponnen gerade.

Das habe ich also auch nicht verlernt; es ist wie Fahrrad fahren – nichts verlernt man. Alles kommt irgendwie irgendwann zurück. Wenn man bedenkt, dass ich beim letzten Mal zu dieser Zeit schon das Trinken verlernt hatte, grenzt es fast an Körperverletzung, dass man man mich diesen Blödsinn nochmal durchmachen lassen hat. Tja, jetzt von Ertrinken zu reden, nur weil ich vor lauter Panik und Existenzangst meine Hand vor Augen nicht mehr sehen kann, – Vorsicht, eine Metapher; ich hab es nicht freiwillig gemacht, glaube ich, wer wäre auch so dumm, sowas nochmal durchzumachen, wenn man den Mist schon ein paar Mal mitgemacht hat? – wäre doch bestimmt in einer gerechten Welt Grund genug, mir ein Handtuch hinzuwerfen, um wenigstens das Ertrinken in Waterboarding zu ändern – aber das wäre vielleicht zu echt für jedes Handtuch.

Also bleibe ich mit meinen Gefühlen alleine und ertränke sie in Schnaps, weil wie sonst kann man diese ganze Scheiße ertragen. Ich sag jetzt nicht, dass die Leute, die sich um mich kümmern, mir keinen großen Schrecken einjagen, wenn sie mir sagen, so und so war das beim letzten Mal, so und so ist das jetzt und so und so schlimm kann das noch werden, aber wenigstens beleben sie mich mit diesen kalten Wahrheiten wieder zum Leben, wie ein beschissener – sorry, jetzt habe ich mich von dem Hardrock verleiten lassen.

Wer interessiert sich schon noch für einen Trottel, der ein Fahrrad mit meinem Handtuch und Waterboarding mit Folter verwechselt. So, jetzt noch ein Bild für den Artikel auswählen, eine fesselnde Überschrift und dann hab ich auch bald diese Zeitreise beendet. – – Was soll ich da noch zu sagen? Für den gewöhnlichen Zeitreisenden sind die eigenen Schatten eben Waterboarding, wenn er nicht mehr den ganzen Zusammenhang kennt. Und wie toll ich wieder die Erzählperspektive gewechselt habe. Oder wie Bill Gates sagen würde: „Ich musste ihm ein Glas Wasser ins Gesicht kippen, um ihn daran zu erinnern, dass er seine eigenen Abgase einatmet.“ – was das jetzt für mich bedeutet oder für den üblichen Bürger weiß ich nicht, aber was es für die so medienwirksamen Fridays for future-Jugendlichen bedeuten soll, die auf dem Vormarsch sind und mit so Liedern wie: „The kids are coming“ durch die Straßen ziehen, dass weiß ich auch nicht. Ich kann aber verstehen, warum die die Schnauze voll haben vom Anfang des 21ten Jahrhunderts.

Ich kann nur im Namen von uns allen sprechen, dass ich hoffe, dass sie nicht so doof sind und uns deshalb verteufeln. Wir haben unser bestes gegeben die Werte der vorherigen Generationen neu zu definieren. Und das wir dabei nicht alles kurz und klein geschlagen haben, ist ein kleines Wunder. Denn wir hatten jedes Recht dazu; wenn man uns nur wie billige Arbeitssklaven hält, muss man sich nicht wundern, dass man auch wie ein Sklaventreiber angesprochen wird. – – Aber genug vom ewig währenden Krieg zwischen den Generationen oder anders ausgedrückt: vom Sonntagsausflug von Ikarus, vergesst nur nicht, dass wir euch helfen wollten. Jede technische, gesellschaftliche und kulturelle Errungenschaft wollte ich sofort mit euch teilen. Nehmt also unsere Hilfe an, verdammt nicht die alten Straßen, spricht einer, der von der Angst begleitet wird nicht mehr respektiert zu werden, obwohl er einer derjenigen war, der immer voraus gedacht hat und seit zwanzig Jahren einer der größten Aua, shit – da bin ich mal wieder zu nah an die Sonne rangeflogen. Hat einer ein feuchtes Handtuch, um meine Verbrennungen zu kühlen? Oder muss ich an meinen eigenen Fürzen schnüffeln?

Und wenn ihr euch fragt, was das alles schon wieder zu bedeuten hat, dann dürft ihr gerne einfach alles ignorieren, was ich hier geschrieben habe.

Essay Zeitreise

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