I AM Mr. Nobody

Eigentlich war ich ja gerade dabei, einen neuen Blogpost über ein paar ältere Titel zu machen, über die mal wieder gestolpert bin, aber trotzdem so gut fand, dass ich mich damit beschäftigen wollte; das Video-Spiel Hellblade zum Beispiel und die Serie Special:

„Wird Hellblade jetzt immer so eintönig bleiben? Man rennt durch die Gegend, kommt an ein Tor, muss da dann Symbole finden, um sie zu öffnen und zur Not noch was abbrennen; zwischendurch tauchen noch ein paar Geistermonster auf? Was soll das? Wo ist da die Abwechslung?

Special von Netflix hat nur eine Sache vergessen, nämlich eine Drogensucht für die Hauptfigur; und schon wäre jedes Minderheitenklischee in eine sexuell attraktive, anziehende Figur umgeschrieben worden – wunderbar. Natürlich habe ich den Migrationshintergrund …“, aber mir ist mal wieder die Sky-Box in die Quere gekommen mit ihrer kleinen Zeitreise, um mich an bestimmte Dinge zu erinnern, die ich damals in der Hektik des Alltags einfach nicht abspeichern konnte.

Eigentlich habe ich schon damals mit mir gerungen und wusste nicht, ob ich überhaupt noch meine legendären Verrisse schreiben sollte, weil ich bemerkt habe, dass sie immer eine gewisse Art von genervtem Respekt mir gegenüber haben, wenn ich den Raum betrete, weil sie nicht noch einmal das Ziel eines Shitstorms werden wollen, weil sie nicht sterben sollen, denn alle, die ich ins Visier nehme, scheinen zu verschwinden – jedenfalls alle, die vorher meine Aufmerksamkeit erregt haben.

Beängstigend, deshalb nur noch Cartoons zu gucken – habe ich damals gedacht. Jetzt ist es mir egal, wie hieß es damals in Supernatural noch so schön: Ich glaube, Jack hat seine Seele verloren – nun, ich habe sie wiedergefunden; aber den aufmerksamen Leser bla bla bla …

Wofür ihr doch eigentlich hier seid, ist die Tatsache, dass unsere Gesellschaft darauf ausgelegt ist uns Menschen mürbe zu machen, wir dann die Pharma-Industrie treudoof bezahlen, um unsere Körper wieder fit zu machen – oder zumindest den Schaden, den die Gesellschaft mit ihrer Dauerbelastung anrichtet soweit zu korrigieren, dass wir uns wieder ins Getümmel stürzen.

Dass uns Vermieter auf die Straße setzen können, wenn wir ungemütlich werden. Dass das Internet, was uns mal verbinden sollte, zu oft mit den Regierungen der Welt im Bett war. Dass Sitcom-Vally, oh, also Silicon-Vally, nur noch ein in Betrieb genommener Witz ist, wenn es um unsere Sicherheit und Daten geht; und das wir den ganzen Mist einfach so schlucken, ganz so, als wären wir mit genug Alltäglichem Mist gefüttert worden, dass wir das Dessert an richtigen Nachrichten nicht mehr vertragen und entschuldigend zu irgendwelchen Sendungen umschalten, wo sie uns dann für uns verdaulich die richtigen Kracher servieren.

Dass der technische Fortschritt an verschiedenen Stellen absichtlich aufgehalten wird, damit diese Orwellse Horrorshow nicht Wirklichkeit wird – aber hauptsächlich 0,1 Prozent der Bevölkerung kann jetzt 200 Jahre alt werden, um der langsamen Entwicklung zuzusehen wie bei Supernovas, die Millionen von Lichtjahren entfernt explodiert sind.

Dass man dem Bürger in Deutschland absichtlich das Tempolimit aufdrücken will, nicht etwa, um den Verkehr zu regulieren, sondern um den Verkehr zu regulieren. Dass man bei Tageszeitungen zwischen den Zeilen lesen muss, um zu verstehen, was da draußen überhaupt los ist, weil wir nicht mal sagen dürfen, dass diese linksversiffte Sprache unser Denken einschränkt, weil keine Sau mehr im öffentlichen Fernsehen fluchen will wie ein Kesselflicker. Dass wir endlich mal wieder echte Politik machen sollten, die den Menschen auch helfen, statt nur noch in Metaphern zu denken.

Dass wir Abtreibungen zulassen sollten, und zwar im Idealfall nach einem Gespräch zwischen Mann und Frau. Dass wir … ach, ich weiß doch auch nicht. Bluttests zulassen sollten. Jeder seinen eigenen Weg gehen sollte; BITTE versucht nicht so zu schreiben wie ich – wir leben in einer Welt, in der man nicht mehr mit dem, was man sagt, überleben kann; geschweige denn Geld verdienen darf. Deshalb sitzen sie dann ja in Literaturkreisen zusammen oder freuen sich in Zeitungsberichten darüber wie klug der Autor/die Autorin war; weil sie/er eben das System ausgetrickst hat.

Hat jemand mal ein Streichholz? Dann kann ich das alles, was ich hier gerade verzapft habe, anzünden und alle Spuren vernichten – nicht, dass nachher wieder alle leise diskutieren; ich schon wieder eine weltweite Regierungskrise auslöse, weil ich gegen das echte Sokovia-Abkommen verstoßen habe, schalte ich durch die Sender.

DA ist diese Frau, die mit nichts in den Ring gestiegen ist, mit allem aber raus gekommen.“, das Publikum jubelt, ruft ihren Namen, feiert sie, wird aber still, sobald diese eloquente Frau ins Mikrofon spricht: „Hörst du das, du kleine Irre?“, fordert sie ihre Rivalin heraus: „Ich bin die ledertragende, rothaarige Titelverteidigerin; ich bin bereit es mit Jedem aufzunehmen!“, mache ich den Fernseher aus, lasse sie ihre Wrestlingnummer abziehen.

Satire

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