Die Vorbereitung auf den Sonntagsgottesdienst

Ich sitze zu Hause auf dem Bett und scrolle durch meinen Twitter-Feed, als mir eine Idee kommt, ich notiere: „Die größte Aufgabe unserer Zeit wird sein die Verbitterung zu überwinden.“ – dann denke ich mir, beziehe ich gerade wieder das Weltgeschehen auf mich selber? Irgendwie muss ich noch die ganze Menschheit reinkriegen?

Ich wollte auch noch einkaufen. Ich fahre erst mal einkaufen, ziehe mir meine Schuhe an, verabschiede mich von Mutter und schwinge mich auf mein Fahrrad. Alle Ampeln haben grün. Ich überlege, warum ist man überhaupt verbittert? „Die größte Aufgabe unserer Zeit wird sein die Verbitterung zu überwinden, weil … ? Weil jeder schon einmal verletzt wurde, wenn zum Beispiel seine Hilfe als Affront verstanden wurde. Diese Verletzungen tragen wir jeden Tag mit uns herum und hinterlassen tiefe Wunden.“

Ich fahre an parkenden Autos vorbei, schließe mein Fahrrad ab, wünsche mir irgendwie in einer Welt zu leben, wo man sein Fahrrad nicht abschließen braucht, aber natürlich fühlen sich manche Menschen berechtigt anderer Leute Fahrräder zu stehlen, wenn sie im Leben auch von anderen getreten wurden. Ich marschiere in den Laden, am Gemüse vorbei, stehe an der Fleischtheke – irgendwas fehlt noch, aber was? Wie können wir diese Verbitterung überwinden? Diese Verbitterung, die nicht nur im Kleinen Welten zerstört, sondern unseren gesamten Planeten gefährdet – neben mir steht eine kleine Familie. Das Mädchen bekommt noch eine Scheibe Kinderwurst auf die Hand, läuft zwischen den Beinen der Eltern rum, ruft mehrmals nach ihrem Papa, um seine Aufmerksamkeit zu kriegen – die zweite Kassiererin kommt zu mir, fragt, was es sein darf.

„Ich hätte gerne 400 gr gehacktes und Kinder – ähm.“, fuck – das ist es! Wir müssen wieder so unschuldig werden wie Kinder, unsere Verbitterung überwinden und mit so viel Vertrauen in die Welt hinaus gehen, dass wir keine Angst mehr vor Zurückweisung zu haben brauchen. „Drei Scheiben Schinkenwurst bitte.“, ich muss schleunigst an den Laptop, den Text schreiben, sonst vergesse ich das gleich wieder.

Die größte Aufgabe unserer Zeit wird sein die Verbitterung zu überwinden. Weil jeder schon einmal verletzt wurde, wenn zum Beispiel seine Hilfe als Affront verstanden wurde. Diese Verletzungen tragen wir jeden Tag mit uns herum und hinterlassen tiefe Wunden. Diese Verbitterung, die nicht nur im Kleinen Welten zerstört, sondern unseren gesamten Planeten gefährdet, müssen wir überwinden. Wie können wir diese Verbitterung überwinden? Wir müssen wieder so unschuldig werden wie Kinder, unsere Verbitterung überwinden und mit so viel Vertrauen in die Welt hinaus gehen, dass wir keine Angst mehr vor Zurückweisung haben zu brauchen.

Kurzgeschichte

Stefan Schürrer View All →

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