Particle Fever

„Hast du endlich genug geträumt? In der Vergangenheit verbracht?“, kommt sie in mein Zimmer. „Wir brauchen dich.“, tippt sie mir auf die Schulter, um meine Aufmerksamkeit zu kriegen. „Wir brauchen dich hier.“, ergänzt sie. „Jetzt.“ „Es spielt keine Rolle wann ich bin; ich arbeite ununterbrochen; selbst während wir hier gerade reden, arbeite ich an Lösungen zu drei verschiedenen Problemen und eins davon ist, wie man einer Gesellschaft den Völkermord ab.“ „Jaja.“, unterbricht sie mich. „Ich brauche auch mal meine Ruhe, verdammt.“, werde ich so langsam sauer. „In der Vergangenheit?“ „Ich verbringe gerne meine Zeit in Erinnerungen – was ist so schlimm daran?“

„Was guckst du denn da gerade?“ „Warum fragst du?“, entgegne ich, nehme die VR-Brille ab. „Weil ich, glaube ich, noch nie eine so gute rappende Wissenschaftlerin gesehen habe.“, lacht sie. „Ach, das war doch noch gar nichts – ich hab vorhin einen Wissenschaftler dabei beobachtet wie er auf der Bühne versucht hat den Bau eines LHC ökonomisch zu rechtfertigen und statt zu erklären, dass neue Durchbrüche in der Wissenschaft immer Projekte inspiriert, die die Economy antreiben, hat er was von Radio Wellen gelabert, die vor der Entdeckung einfach nur Radioaktivität waren. – – Das Beste ist noch, in einer Besprechung meinte einer der Wissenschaftler, während die Tests laufen, darf keiner mehr irgendwas ändern, irgendwelche Berechnungen hochladen, am besten nichts mehr anfassen, sonst würde es die Tests stören und ich saß hier nur und schaute meinen Kuchen an, dachte kurz an die Bojack Folge, wo er Todd alleine im Haus gelassen hat und er nichts anfassen durfte, dann aber geniest hat und ein Ei zerstörte und …“ „Hast du geniest?“ „Nein, diesmal nicht – ich hab nur meinen Kuchen gegessen; fand es aber witzig, dass sie danach die Party geschmissen haben, als der erste Test mit dem LHC geklappt hatte.“, spule ich nochmal zurück. „Hier.“, zeige ich ihr den Countdown. „Und bei null explodiert die Welt?“, lacht sie. „Schauen wir mal, würde ich sagen – hier, willst du was von meinem Kuchen?“, reiche ich ihr den Teller.

„Und in dieser Erinnerung machst du Urlaub?“ „Ich hab damals noch was ins Notizbuch geschrieben – nur blöd, dass Kaffee über den Text gelaufen ist und man einige Worte nicht mehr lesen kann: Es ist seltsam, seit ich begriffen habe, dass ihr _______ vor mir habt, also euch ________ ob und was ich leisten kann, mich deshalb gerne in _______ legen würdet, weil ich alle möglichen Universen zerstören kann, wirklich alles zum ______ bringen kann, bringt alles in ein anderes Licht. – – Ich bin ein GOTT in ihren Augen!“ „War das zu der selben Zeit, als du den Tweet über Captian Marvel abgesetzt hattest?“ „Ja, genau – ich frage mich immer noch, wie hoch meine Anteile an Marvel, Netflix, Amazon und dergleichen sind; wo sie doch alle möglichen Filme und Serien über mich gemacht haben. – – Irgendwas muss ich doch davon abbekommen.“, philosophiere ich; ihr Smartphone klingelt, i can’t get no satisfaction als Klingelton.

„Oh, jetzt gibt es wirklich Berichte, dass sie das GOTT – Particle gefunden haben.“, zeigt sie fasziniert auf den Bildschirm, während sie ein paar Nachrichten checkt. „Hast du auch die Pressekonferenz im Disneyland, wo die Avengers-Schauspieler mit den Kindern Lego gespielt haben und Brie Larson auf der Bühne meinte, dass die Filme durch das Leben der Kinder geprägt wurden und Robert Downey Jr. sich von seiner besten Seite gezeigt hat, mit diesem Kommentar, er sei mit dem Helikopter angekommen und das würde ihn sehr … was hat er nochmal genau gesagt?“, durchsucht sie meine Erinnerungsbibliothek. „Ähm, ich hatte zwischenzeitlich umgeschaltet; das mit Robert Downey Jr hab ich nicht mitbekommen. Ich hab nur nachher wieder den Kommentar von Ant-Man-Schauspieler Paul Rudd mitgekriegt, wo er meinte, dass er sich wie der Cousin der Superhelden fühlt, der einige Partys nicht mitgemacht hat und nun froh ist wieder mitzumischen.“ „Oh, süß.“, beobachtet sie die kleinen Lego-Figuren mit ihren Schauspielern.

„Also, wie viele Anteile hast du denn nun an Marvel, Netflix und den ganzen Produktionen?“, hackt sie nochmal nach. „Keine Ahnung, mir hat noch niemand was gesagt.“

Kurzgeschichte

Stefan Schürrer View All →

Autorenseite:

https://de-de.facebook.com/StefanSchuerrer

Kommentar verfassen