Der Fernsehabend

„Mein Gott, wie ich diese sexistische Werbung hasse – muss immer alles mit nackter Haut beworben werden?“ „Du weißt schon, dass das eine BH-Werbung ist?“, entgegne ich nur und räume das Popcorn zu Seite, sodass sie sich neben mich auf das Sofa fallen lassen kann.

„Oh, das ist mir gar nicht aufgefallen – läuft denn sonst noch was im Fernsehen?“, schaltet sie einfach durch die Sender. „Hey, du bist hier in meinem Wohnzimmer; du kannst nicht einfach bestimmen, was ich gucke.“, kneife ich ihr in den Oberarm und nehme mir die Fernbedienung wieder zurück. „Mein Vater sagte immer, solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, isst du auch, was ich dir vorsetze – und ähm …“ „Das ergibt doch gerade gar keinen Sinn; ich habe weder meine Füße unter deinem Tisch, noch bist du mein Vater.“, lacht sie. „Wäre auch sehr seltsam, denn dann würde das, was ich jetzt vor habe, sehr komisch rüber kommen.“, lehne ich mich rüber, um sie zu küssen, sie aber schreckt kurz zurück.

„Was wird das?“, hebt sie forschend eine Augenbraue hoch. „Ähm, oh – hab ich da was falsch verstanden; ich dachte, da du in letzter Zeit so oft vorbei gekommen bist, wir immer zusammen an unseren Projekten arbeiten, du letztens hier geschlafen hast, dass …“ „Ha! – Verarscht.“, lacht sie und fällt über mir her, fährt mit ihren Händen durch meine Haare, küsst mich innig, küsst mich nochmal, küsst verspielt, küsst heftiger, küsst sanft und zum Abschied stupst sie noch verspielt meine Nase, fast so wie die Kirsche auf dem leckeren Eisbecher, der jede Sekunde mit ihr für mich bedeutet – ach; keine Ahnung, ich bin verliebt und gerade nicht in der Lage kluge und lustige Wortspiele zu formulieren.

„Also, was gibt es denn so neues bei dir?“, hat sie wieder die Fernbedienung ergattert und schaltet durchs Programm. „Nach meinem letzten Blogbeitrag hat doch echt irgendeine dieser deutschen Satire-Shows einen Sketch gebracht, dass sie in einem kostenlosen Restaurant essen und alle sind mega glücklich und so, dann aber stellt sich raus, dass sie für alle möglichen Zutaten dazu bezahlen müssen und am Ende ist das Steak einfach schweineteuer und …“ „Mein Gott, meinst du, das war eine Reaktion darauf, dass du die Nase voll davon hast umsonst auszuhelfen?“ „Wie sagte schon … ähm … irgendwer – mache nie etwas umsonst, dass du gut kannst. – – Nein, jetzt mal ohne Witz. Ich …“ „Ja, ja ich weiß. Ich weiß. – – Du verteufelst Geld, aber da wir derzeit noch in einer Gesellschaft leben, in der wir auf Geld angewiesen sind, musst du eben auch an dich selbst denken. Das ist nur verständlich – und jeder, der dagegen was sagt, ist deiner Meinung nach nur eifersüchtig, dass du so viel erreicht hast.“, wiederholt sie genervt, hat es schon so oft von mir gehört, dass sie es wie am Fließband runterbeten kann. „Okay, das mit dem eifersüchtig sein hab ich nie gesagt.“, versuche ich einzulenken.

„Was noch?“, hat sie die Popcorn-Schüssel nun auf ihrem Schoß. „Ähm. – – Mein Bruder war letztens mal wieder zu Besuch und hat mit uns über seine neue Wohnung gequatscht und – dass war kurz nachdem ich in der Nacht mal wieder an meinem Manuskript gearbeitet hatte und merkte, dass ich das doch alles schon mal gemacht hatte, meinen Tweet abgesetzt hatte, warum ich den ganzen Mist nochmal schreiben muss, was sie mit den anderen Versionen gemacht haben und – da er jetzt eine neue Wohnung bezieht, drängt meine Mutter eben darauf, dass er sein Zimmer endlich entrümpelt und da kam halt auch raus, dass er den Schimmelreiter weggeworfen hat, neben dutzend anderen Büchern. Er meinte halt auch, dass eine Mauer mitten durch seine Wohnung gezogen wurde, die einfach das Wohnzimmer in zwei Hälfen teilt; wohl eine beschissene Konstruktion der Vormieter und er weiß halt nicht, ob die Mauer eine tragende Wand ist oder nur nachträglich reingebaut wurde und ich saß da, hab mir die üblichen doppeldeutigen Andeutungen meiner Familie angehört, mit den üblichen Witze geantwortet, dass die Informatiker auf meiner Arbeit damals immer gesagt haben, wenn ein Systemfehler aufgefallen ist, der große Konsequenzen hat, wo dann einfach drum herum gearbeitet wurde, dass ist einfach historisch gewachsen. – – Das Beste kommt noch, diese Wand ist einfach komplett schwarz gestrichen, weil wohl sonst der Raum zu viel Licht abbekommen hätte; was totaler Quatsch ist, weil jeder doch dankbar wäre um das viele Licht. – – Er meinte noch, dass das ja mit der schwarzen Mauer mitten in seinem Wohnzimmer nicht sein Problem sei; da müssen sich nun die Vormieter drum kümmern. Die haben die Scheiße verzapft. – – Ich hab ihm noch den Tipp gegeben, von allem einfach ein Foto zu machen; dann hat man immer einen vorher/nachher-Beweis, dass man die ganze Sache eben nicht selbst zu verschulden hat, sondern die idiotischen Vormieter.“ „Außer natürlich, dass die Fotos dann gelöscht werden; da muss er drauf aufpassen.“, bleibt sie bei den Nachrichten hängen.

„Es ist aussichtslos. Wenn man nicht bald handelt, ist die Katastrophe nicht mehr abzuwenden.“, kommentiert der Nachrichtensprecher irgendeine von Menschen gemachte Naturkatastrophe, ich entgegne ihr: „Witzig, dass hat er auch gesagt.“

Kurzgeschichte

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