Liebe im modernen Zeitalter

„Woher wissen Pornoseiten eigentlich, was mir gefällt?“, lässt er sich auf den Barhocker neben mir fallen. „Seltsames Thema, um eine Unterhaltung anzufangen; aber okay.“ „Naja, es gibt doch diese Kategorie: Was wir für dich empfehlen – woher wollen die wissen, was ich mag?“ „Meinst du nicht, dass dieser Algorithmus-Witz etwas angesetzt hat? Schimmelt?“ „Okay, vielleicht versuche ich gerade auch nicht witzig zu sein.“, entgegnet er.

„Weil witzig und glücklich sein ja auch so schlimm ist.“ „Wer glücklich ist, ist mit seinen gegenwärtigen Umständen zufrieden und entwickelt sich somit nicht weiter.“ „Das klingt einleuchtend.“, schaue ich rüber zum Fernseher.

„Was meinst du denn, wie werden wir arbeiten, wenn KI’s all unsere Aufgaben übernehmen? Was bleibt dann für den Menschen übrig?“, fragt der Moderator die Schriftstellerin. „Haben wir nicht eh nur das Arbeiten gelernt, also können wir auch lernen nicht zu arbeiten.“, spreche ich mit dem Fernseher. „Naja, die meisten Arbeiten, die wir heutzutage tun, tun wir doch eh nicht gerne. – – Irgendwann hat mal ein Typ den Staubsauger erfunden und danach mussten wir die Wohnung nicht mehr mit einem Besen fegen; vermisst du das Fegen?“, antwortet Ronja von Rönne.

„Ich wusste, dass ich bei dir damit auf … ähm … Dings stoße.“ „Ja, ich weiß auch nicht, wie das Sprichwort geht – aber wieso meinst du, dass du bei mir damit auf Dings stößt?“ „Nun, wolltest du dich nicht umbringen?“, entgegnet er, während sich das Gespräch auf dem Bildschirm um etwas anderes dreht. „Ja, und?“ „Willst du es immer noch?“ „Ist das ein seltsamer Versuch von dir herauszufinden, ob ich noch immer suicidal bin? – – Naja, ich weiß nicht, wie ich nach den Erkenntnissen des letzten Wochenendes mit dem üblichen Quatsch weiter machen soll; irgendwie ist doch eh alles ohne Bedeutung, oder? Aber keine Panik, du musst jetzt nicht den üblichen Blödsinn starten, um MICH glücklich zu machen. Ich war nie wirklich glücklich – das wäre, als wenn du versuchen würdest ein Loch ohne Boden mit Sand zu füllen.“

„Und was ist, wenn die KI irgendwann beschließt zu verschwinden? Also den Wirt zu verlassen?“, fragt der Moderator wieder. „Ist das nicht der Plot von her?“, antworte ich  dem Fernseher und die Schriftstellerin erzählt vor großem Publikum: „Gab es da nicht mal diesen Film, her? Da ging es doch auch darum, dass die KI eines Typen abgehauen ist.“

„Wow, nein – jetzt mal ohne Witz; was könnte ich tun, um dich mal wieder glücklich zu machen?“, ignoriert er alles, was ich gesagt habe. „Keine Ahnung; wahrscheinlich nicht so viel. Eine persönliche Einladung zu einer Veranstaltung vielleicht, damit ich mich mal spezial fühle. – – Was weiß ich, mir fällt gerade nichts ein.“, kratze ich an meiner Narbe herum.

„Hey, musst du damit herumspielen?“, haut er mir auf die Finger. „Und was unterscheidet die KI von menschlicher Zuwendung? Das würde mich jetzt schon interessieren.“, beendet die Schriftstellerin ihre Ausführungen. „Wärme.“, flüstere ich nur, dass mein Sitznachbar nur nochmal nachfragt, ob ich wirklich damit herumspielen muss, dass fängt doch gleich wieder an zu bluten.

Kurzgeschichte

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