Das Küchengespräch

„Du musst lernen, dass deine Handlungen Konsequenzen haben.“, dröhnt ihre Stimme in meinen Ohren. „Natürlich, und jeder, der die Hand nicht beißt, die ihn füttert, lebt länger – aber wo wären wir denn da? Wir würden im Jahr 2019 immer noch Diesel verbrennen, hätten Korruption in Politik, Medien und Wirtschaft, hätten Idioten auf Posten sitzen, die da nur hingekommen sind, weil sie jemanden kennen oder der Sohn von irgendwem sind und hätten Probleme mit Bandenkriminalität und Umweltverschmutzung. – – Achja, stimmt; haben wir ja. Die Leute haben Angst irgendwas richtiges zu sagen, zu tun oder eben nicht zu tun, weil sie die Konsequenzen befürchten. So kann das doch nicht weiter gehen, verdammt! – – Nein, wir halten uns lieber zurück wie die Leute in der DDR; die an der kurzen Leine gehalten wurden, weil jemand einen Autounfall für sie vertuscht hat, weil der Nachbar mal ein Gespräch von dir mitgehört hat, weil man ja noch befördert werden will. ICH hasse das! Und wir sind doch heutzutage genauso, verdammt! Schau dir das doch mal an, du kriegst kein Haus oder keine eigene Wohnung, weil es als Druckmittel benutzt werden kann! Nur wenn du systemtreu handelst, ein sauberes Führungszeugnis hast und nicht negativ aufgefallen bist, kriegst du eine Wohnung! – – Was für ein Blödsinn! Ich versteh das einfach nicht mehr.“ „Sowas kannst du nicht schreiben; sowas kannst du nicht veröffentlichen – das Thema hatten wir doch schon.“, legt sie jetzt ihre Hand auf meine.

„Ach, natürlich – wenn nicht ich, wer denn dann?“ „Du glaubst schon alles kaputt gemacht zu haben, oder? Du glaubst, dass du nichts mehr schaffst, und glaubst deshalb, alles niederbrennen zu können, oder wie? Reiß dich mal zusammen, geh doch einfach mal zu den Leuten hin und präsentiere Ihnen dein Programm. Du wirst sehen, wenigstens eine Person wird dir mit Sicherheit zuhören.“, versucht sie mich zu überzeugen.

Kurzgeschichte

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