Fridays for future

„Wir treffen uns dann pünktlich um halb eins an der Uhr.“, schrieb er mir und ließ mich warten; stattdessen stolperte ich über ein paar mit Fridays for Future Postern und sah mich als Journalist verpflichtet mal nachzufragen, was da so abgeht.

„Hey, was macht ihr denn hier? Ist das hier so ein There is no Planet B-Ding?“ „Hi, genau. Willst du dich dazusetzen?“ „Ne, ich würde nur gerne wissen, was ihr hier macht; seid ihr Schüler?“, schaue ich alle drei abwechselnd an. „Studenten.“, antwortet die Organisatorin des Ganzen. „Und warum, wenn ich so frech fragen darf, seid ihr nur zu dritt?“ „Ja, also meine Kommilitonin ist zwar Lehrerin an einer Grundschule und hätte ihre Grundschüler mitbringen können, aber bei sowas kommen dann immer die Eltern mit – ansonsten ist es schwer in diese Schüler-Blase zu kommen und mit denen in Kontakt zu kommen. Deshalb hab ich diesen Protest einfach mal angemeldet und wollte nur gucken, wer alles kommt.“, erklärt sie mir gutmütig, während ich von einem zum Anderen gucke. Der Typ neben ihr hat ein Schrödinger-T-Shirt an, der Typ links von ihr hält einen Kaffeebecher in der Hand. „Und dann haben sich nur zwei Andere dazu bereit erklärt mitzuprotestieren?“, trete ich meine Zigarette aus.

„Ja, also …“, stottert sie und der Typen mit dem Schrödinger-T-Shirt guckt mich nur so komisch an, dass ich einfach in die Offensive gehe: „Schickes T-Shirt.“ „Ja, mein Kollege hat so ein tolles T-Shirt mit sowas wie: Schrödingers cat alive or dead? Well, at least pretty pissed – – aber ich finde das leider nirgends.“ „Willst du dich wirklich nicht setzen?“ „Und du hast diesen Protest angemeldet und alles? Wirklich cool.“ „Ja, und das war nicht mal schwer. Einfach einmal bei der Polizei anrufen und dann die Zettel hier ausfüllen und zack, war das offiziell – mit vier Leuten ist das jetzt sogar eine Versammlung.“, kramt sie in ihrer Tasche und lacht verlegen, hält mir schließlich die Anmeldezettel unter die Nase. „Ich poste das mal eben bei Jodel.“, meint der Typ mit Kaffeebecher in der Hand.

„Das hier ist übrigens mein Freund und hat nur eben Kaffee vorbei gebracht und den hier kenne ich von …“, schafft sie gerade noch so zu erklären, dann bremst ruckartig ein Fahrrad neben uns ab: „Was macht ihr denn hier?“ „Ähm, wir protestieren fürs Klima.“, antworte ich jetzt leicht überrumpelt und stecke mir die nächste Zigarette an.

„Also ich finde es immer noch lächerlich, wenn sich Leute fürs Klima interessieren und dann aber hinterrücks einfach ihren Müll im Wald abladen.“, hat er natürlich Recht, ansonsten erklärt er noch, dass er sich mal in der Politik engagiert hat und dergleichen und dies und das und dass er die Scheinheiligkeit der Politiker nicht verträgt und erzählt uns von Politkern, die lange vor meiner Zeit aktiv waren, ich deshalb nichts mit den Namen anfangen kann und laut seinen Ausführungen soundso korrupt waren.

„Ja, irgendwann muss man auch mal die alten Zeiten begraben; es sind ja nun neue Politiker an der Macht, die mit dem ganzen Mist von damals nichts zu tun haben.“, klingt sie fast schon diplomatisch; natürlich hat sie Mist nicht gesagt, ich hab gerade nur keine Lust mehr zu schreiben.

„Ja, natürlich. Aber es bringt doch nichts, dass wir hier protestieren, wenn irgendwelche Großkonzerne Patente für bessere, gesündere Technologien nur für ihren Profit in der Schublade behalten – deshalb entschuldigt mich, wenn ich keine große Lust mehr habe, mich nochmal für irgendwas zu engagieren.“, redet er sich in Rage, dass ich nur erwidern kann: „Ähm, falls das wirklich stimmt, was Sie da sagen, dann helfen solche Proteste doch, weil es den Druck auf Konzerne erhöht die Patente aus der Schublade zu holen und die Welt so besser zu machen.“, asche ich meine Zigarette ab und stecke den Zigarettenstumpf diesmal in meine Zigarettenschachtel zurück.

„Ähm, deine Tasche brennt.“, meint der Schrödinger-T-Shirt-Typ jetzt nur und zeigt auf die Asche, die ein Brandloch verursachen würde, wenn er mir nicht rechtzeitig Bescheid gegeben hätte.

„Oh, ähm ja.“, wische ich die Asche weg. „Hey.“, tippt mir nun aber meine Verabredung auf die Schulter, dass ich mich von der kleinen Gruppe jetzt aber verabschiede: „Ich muss leider los, war aber schön mit euch – habt ihr was dagegen, wenn ich über das hier schreibe?“ „Nein gar nicht; schön, dass du da warst.“, gibt sie mir noch ihre Kontaktdaten und verspricht den Text in der Facebookgruppe zu posten, die sie mitgegründet hat: irgendwas mit Plastikfree Dingsbumsgedöns.

Unterwegs Veranstaltung

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