Der Spaziergang im Grünen

„Und? Wo drückt denn der Schuh?“, läuft Flo neben mir her, der Lärm der Autobahn dringt bis zu uns durch die Bäume – keine Ahnung, warum er unbedingt jetzt gerade einen Waldspaziergang machen wollte, aber da ich gerade nichts besseres zu tun hatte, habe ich mich einfach mal seinem Waldspaziergang angeschlossen. „Ich bin heute einer Person begegnet, die ich in meinen Texten mal erwähnt hatte und irgendwie wundere ich mich, dass sie so abwesend war. Schließlich habe ich … okay, ich gebe zu, ich hatte vielleicht mal den Ruf weg in meinen Texten Personen nur als billige Metaphern zu benutzen, um etwas zu verdeutlichen oder in meinen Texten mit einigen Personen abzurechnen, aber diese Phase habe ich schon lange hinter mir gelassen und falls ich dies wirklich mal getan haben sollte, dann nicht bei ihr!“ „Bist du dir da ganz sicher?“, bleibt er kurz stehen, um sich eine Zigarette anzustecken.

„Ja.“, sie mochte ich wirklich und ich meine, ich habe sie auch nicht schlecht gemacht im Text oder sowas in der Art, natürlich kann ich verstehen, wenn sie wegen der Aufmerksamkeit dadurch etwas abgeschreckt oder sauer war, aber deshalb muss sie doch nicht gleich so komisch sein, oder? Und von dem bisschen, dass wir zusammen geredet haben sauer zu sein, verstehe ich auch nicht. „Du wirkst so abwesend. Wolltest du noch was sagen?“, steigt er über einen dicken Ast auf dem Trampelpfad und wartet nicht auf mich. „Achso, ach … ähm … nur, dass ich sie mochte und es schade finde, dass sie mir wegen des Textes nun aus dem Weg geht.“, klettere ich nun auch über den Ast und rutsche dabei fast aus: „Und sowieso finde ich, dass die Leute meine Texte total falsch verstehen. Ich versuche doch nur den Leuten zu helfen.“, hole ich wieder auf zu ihm. „Vielleicht solltest du einen Erste-Hilfe-Kurz abhalten oder sowas in der Art, wo du mit den Leuten direkt sprechen kannst.“ „Meinst du, irgendwer würde mich für sowas einstellen und bezahlen?“ „Was heißt hier einstellen? Du wird einfach wie so ein Superheld gerufen, über ein Symbol im Himmel benachrichtigt, wenn irgendwo Probleme sind und dann tauchst du am Unfallort oder am Tatort auf und philosophierst den Tathergang herbei.“ „Verstehe, also wie in jeder drittklassigen Cop-Sendung, wo sie sich Hilfe von einem übernatürlichen Typen besorgen, der dann mit einer Polizistin zusammen Verbrecher jagt – – nichts gegen Cop-Sendungen – by the way.“, entschuldige ich mich schon mal im Voraus und bin bereit einen Haufen von guten Beispielen zu nennen: Elementary, Lucifer, Psych, Monk etc. pp.

„Und was sagst du da zu?“, zeigt Flo aber nur auf eine Baustelle am Waldrand. „Kannst ja direkt mal deine Talente unter Beweis stellen.“, lacht er hämisch. „Nun, also ich würde sagen, sie warten noch auf die richtigen Materialien; wenn ich mir das so angucke.“ „Und deshalb wirst du nicht bezahlt, weil du nichts zu der Sache beiträgst.“, legt er nur resignierend die Hand auf meine Schulter und läuft weiter. „Aber … hey, Stopp! Warte mal! – – Bringen wir da mal wieder die Kausalität durcheinander? Ich würde fast sagen, weil ich noch nicht bezahlt wurde, habe ich nichts zur Lösung der Baustelle an der Autobahnabfahrt beigetragen; so einfach ist das.“, sprinte ich, um ihn wieder einzuholen.

„Aber ernsthaft, rede mal mit den Leuten, statt die Dialoge in deinen Texten nachzuholen.“, gibt er mir noch als Tipp mit auf dem Weg und fragt dann, was ich nachher noch so mache, weil er noch nichts geplant hat und schlägt vor, einen Serienabend zu machen; alle möglichen Cop-Sendungen zu schauen, angefangen von Die Nackte Kanone, über Castle bis hin zu True Detective und weil ich nachher auch nichts vor habe, willige ich erst mal ein.

Kurzgeschichte

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