Das war’s

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich das Problem angehe. Ich weiß es immer noch nicht. Ich habe es versucht zu verdrängen, ich habe versucht es zu akzeptieren, ich hab es versucht für meine Zwecke zu benutzen; aber nichts hilft. Ich weiß nur, dass ich so nicht weiter machen kann. Ich fühle mich körperlich angewidert von Kommunikationsgeräten. Es ist schon so schlimm, dass ich jedes Mal, wenn ich einen Computer anfasse, eigentlich kotzen könnte. Jedes Mal, wenn ich mein Smartphone in die Hand nehme, stellen sich meine Nackenhaare auf und ich würde es am liebsten in die Ecke werfen, schon wieder ein Smartphone zerstören – aber das würde irgendwann ganz schön ins Geld gehen.

Sobald ein Smartphone im Raum ist, werde ich ungemütlich, würde jedem, der so ein Ding in der Hand hat und mir dabei ins Gesicht grinst, am liebsten damit ins Gesicht schlagen, mit seinem Smartphone, so lange, bis entweder sein Smartphone oder sein Gesicht kaputt ist – und das kann nicht gesund sein.

Aber das Schlimmste ist, und das habe ich nicht einmal meinem Arzt anvertraut, ich schreibe nicht mehr. Ich saß letztens nur in der Praxis und log munter: „Jaja, ich langweile mich nicht; ich schreibe ja.“ – die Wahrheit ist aber, dass ich seit zwei oder drei Monaten schon keinen Stift mehr in die Hand genommen habe, um einen längeren Text zu verfassen oder an meinem neuen Roman zu arbeiten; warum auch? Bitte, erzählt es mir! Die Anerkennung für den ersten Roman habe ich auch nie bekommen und … ach, ich verliere schon wieder den Faden aus den Augen.

Also, wo war ich? Genau, schreiben. Bis auf die paar Texte, die ich hier hochstelle und mehr oder weniger in eins runterschreibe, passiert nichts mehr.

Es ist eine Qual zu wissen, dass ich hier unter Beobachtung schreibe – ich kann so nicht mehr weiter arbeiten. Ich habe es die letzten Wochen versucht, aber fühlte mich danach immer nur scheiße und das kann ich nicht mehr. Ich kann das nicht mehr. Ich würde ja wirklich gerne noch, aber ich kann das nicht mehr. Es tut mir leid.

Es tut mir leid, dass ich so viele Menschen enttäusche und verletzt habe. Das Traurigste ist, dass ich die vielen Ideen nicht mehr anbringen kann, die ich habe. Ich schreibe sie nicht mehr auf, weil … ach, es interessiert euch doch nun sowieso nicht mehr. Und eigentlich interessiert es mich auch nicht mehr, dann vergeht doch in eurem Dreck! Ich helfe euch nicht mehr.

Eigentlich ist das Traurigste, dass ich weiß, dass in 100 Jahren sowieso alles egal ist; aber das kann mich leider nicht mehr motivieren und dazu bringen, mich noch einmal in diese Hölle der Kommunikationsgeräte zu stürzen. Ich kann das nicht mehr, sorry. Das war’s. Findet alleine raus.

Tagebuch

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