Ein ganz normaler Abend

„Und wie stellst du dir das vor?“, vibriert mein Smartphone. „Großmutter hatte immer gesagt, dass die Wölfe … nun ja …“, „Willst du mir eine Geschichte erzählen? – – Nur zu, weiter. Ja, mach schon.“, unterhalten sich die Figuren auf Arte, ich schalte um und antworte: „Ja, vielleicht ist das jetzt etwas kurzfristig, übers Knie gebrochen. Aber dann können wir das ja dann besprechen, ob und wie das möglich ist.“

„Aber morgen wissen wir dann mehr – oder sind noch verwirrter.“, schließt der Nachrichtensprecher seine Berichterstattung über den Brexit ab und zwinkert: „Das ist fast schon eine Notiz im Kalender wert. – – Das war’s dann auch für heute mit den Nachrichten.“ Also schalte ich wieder zurück, gerade als ein junges Mädchen einen Spiegel zerbricht: „Selbst die Wölfe in den Wäldern sind ehrenhafter als ihr!“, ruft und so alle Partygäste in Wölfe verwandelt? – – So ganz habe ich diesen Film noch nicht verstanden, schicke dann aber in alle meine Gruppen die Frage: „Eure Meinung zum Brexit?“, weil ich so vielleicht wieder eine neue Geschichte schreiben kann und bekomme gleich mehrere Antworten.

„Kann mich nicht entscheiden – badabumtss.“ „Ah, sehr gut. Nicht gerade hilfreich, aber witzig.“, antworte ich dem Ersten. „Milfreich.“, meint der Zweite einfach nur, während in der anderen Gruppe einer die Meinung eines EU-Abgeordneten zitiert, dass das riesige wirtschaftliche Folgen für sein Wahlgebiet haben kann, und der Nächste nur Denkt denn keiner an die Kinder? schreibt, während der Dritte in der zweiten Gruppe einen längeren Text anfängt.

Schon vibriert mein Smartphone wieder und aus der ersten Gruppe höre ich, nachdem ich den beiden geantwortet habe: „Wilfreich vielleicht, weil Mischung aus witzig und hilfreich?“, dass er aber eigentlich nicht hilfreich sein wollte und der Zweite der ersten Gruppe meint noch: „Wäre in dieser Debatte auch völlig unangemessen.“, worauf jetzt die andere Gruppe vibriert.

„Eine Gruppe Jugendlicher trinkt, einer von ihnen etwas zu viel. Dieser jemand hat etwas sehr dummes vor. Der Rest der Gruppe schaut zu, weil sie es lustig findet und damit er aus seinen Fehlern lernen soll. Die Gruppe weiß, sie sollte eigentlich eingreifen, weil sie weiß, wer es ausbaden muss. – – Passt diese Geschichte irgendwie zu der Situation?“, „Irgendwie sehr treffend. Aber der, der zu viel trinkt, war mal cool. Der ist auch schon etwas älter und versucht mit coolen Tricks so prächtig zu werden wie früher.“, unterhalten sie sich. „Kennt ihr diesen Gag, wo Nationen Risiko spielen und GB ständig die Welt kolonialiseren will? Das erinnert mich so ein bisschen an deine Bargeschichte. Nur, dass GB jetzt der Typ wäre, der bei Urlaubsplänen erst mal mitmacht, immer aber irgendwelche Sonderregeln will, weil GB sonst nicht mitfährt und in letzter Minute trotzdem abspringt, wenn es darum geht, das Auto zu reparieren, fährt GB einfach mit dem Motorrad davon. – – Naja, muss ich natürlich noch dran arbeiten, aber so ungefähr stelle ich mir das vor.“

„Alle Beiträge zum Brexit müssen sich an emotional-aufgeladenen Identitätsfragen orientieren.“, antwortet der Zweite aus der ersten Gruppe noch, während ich in der zweiten Gruppe schreibe: „Glaube, wenn mich jemand fragen würde, würde ich erstmal genauso antworten mit: Denkt denn keiner an die Kinder?“ und lege das Smartphone wieder weg, schaue auf den Fernseher: „Bist du Gottes Geschöpf oder des Teufels? Was kümmert es mich, du bist doch eigentlich nur ein armes Geschöpf.“, hilft irgendein Pfarrer einem Wolfenmädchen auf und schalte wieder um auf Phoenix. „Es wird ja gerade wieder an einem Drehbuch geschrieben. – – Aber stand jetzt Januar 2019 kann man nicht sagen, was diese Entscheidung auslöst.“

Kurzgeschichte

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