Cats of San Francisco – Teil 2

„Hey, tut mir leid, dass ich mich gestern nicht gemeldet hatte.“, laufen wir immer noch durch Berlin auf der Suche nach einer Kneipe. Man sollte meinen, in Berlin gibt es mehr Kneipen als Dönerläden; aber nicht in der Gegend, in der wir uns im Kreis gedreht hatten – natürlich sind daraus ein paar lustige Witze entstanden, und sobald ich einen Buchladen sah und noch ein Buchladen, meinte er nur: „Jetzt müssen die nur noch in den Dönerläden Bücher verkaufen oder umgekehrt und die Stadt wäre vollkommen – irgendwas.“, ich weiß auch nicht mehr, was.

Aber wir machten wieder unsere Witze, wie die Idioten, die wir waren. Ich hielt vor einem Buchladen, wo jedes Buch in dem Karton 1 Euro kostete und er nur: „Hast du nicht schon genug Katzenkalender für’s Jahr 2019?“, zeigte er auf die Kiste daneben. „Well, sort of – witzige Anekdote; bevor ich in den Zug nach Berlin gestiegen bin, hatte ich noch etwas Zeit am Bahnhofskiosk und hab mir ein Buch über Stephan Hawkings gekauft, bzw. ein Buch von Anderen über die Arbeit mit Stephan Hawkings, wie es war sich mit ihm geistig zu messen, für ihn zu arbeiten, mit ihm zu arbeiten etc pp – und es macht richtig Laune sich wieder mit den Büchern von Stephan Hawkings zu beschäftigen.“ „Hab ehrlich gesagt nur ein Buch von ihm gelesen gehabt.“, marschierte er schon wieder weiter. „Eine kurze Geschichte der Menschheit? Soll ja sein bestverkauftes Werk sein.“ „Kurze Antworten auf große Fragen.“, korrigierte er mich.

„Und? Wie hat es dir gefallen?“, schaute ich kurz rüber zu ihm und steckte meine Zigarette an. „Ganz gut – ist aber schon etwas her, also kann ich da nicht mehr so viel zu sagen.“, verfolgte ich seinen Blick und schaute jetzt ebenfalls in ein großes Schaufenster rein und sah eine Frau in einer Art Wohnzimmer einen Hund streicheln. „Weißt du, was die da verkaufen?“, fragte ich direkt. „Da wahrscheinlich den Hund.“, lachte er. „Ja, bestimmt. Aber ich meine, sonst?! Kommt es dir nicht manchmal so vor, wenn du in diese kleinen Läden reinguckst, dass du denkst: What the fuck? Was ist deren Geschäftsmodell?“ „Na, hier wohnen auch viele Millionäre, die einfach einen Laden aufmachen, um was zu tun zu haben.“ „Ha! – Meinst du, die betreiben dann Geldwäsche? – – Ist diese Lampe zu verkaufen?“ „Ja, für eine Million Euro.“, steigt er auf den Blödsinn ein. „Oh, also wollen Sie die Lampe gar nicht in echt verkaufen?“ „Doch, für eine Million Euro.“ „Das ist doch Schwachsinn! Dann verschwinde ich jetzt!“ „Passen Sie auf, wenn Sie den Laden verlassen! Die Tür ist teuer!“ „Ach, die kann man auch kaufen? Wie teuer ist die denn? – – Zehn Euro? Das ist ja voll das Schnäppchen.“, machten wir unseren Blödsinn und lachten irgendwann so viel, dass wir uns fast auf den Boden setzen mussten.

„Ach, kein Problem – ich hatte ja einen schönen Abend.“ „Jetzt sag doch mal, was habt ihr so gemacht?“ „Wir haben Dogs of Berlin nachgespielt und so getan, als würden wir in die Unterwelt von Berlin abtauchen – war verdammt witzig. Wir saßen halt erst draußen vor dem Kiosk, tranken Berliner Luft und so, irgendwann ist sie dann rauf, hat sich schick gemacht und wir sind losgezogen in eine Kneipe; aber keine Ahnung mehr, wo die ist.“, lache ich entschuldigend und kratze mich am Hinterkopf, weil wir ja immer noch auf der Suche nach einer Kneipe/Bar das Berliner Restaurantenviertel durchstreifen. „Ich weiß nur noch, dass ich zum Ende irgendeinen voll gelabert habe, dass ich uns mit meinen Kontakten stinkreich machen kann und natürlich hab ich da nichts von ernst gemeint; ihn mehr oder weniger an die Wand gelabert und – du kennst das ja – zum Ende in ein Taxi gestiegen und vielleicht zehn Meter gefahren, zurück zum Hotel. – – Ich hatte übelst den Spaß, ehrlich.“, suche ich wieder nach meinen Zigaretten in der Jacke, finde Flipsreste und Kaubonbons; frage: „Willst du ein Maoam? – – Hat wohl der betrunkene Stefan gestern gekauft.“ „Ne, danke – ich nehme nichts an vom betrunkenen Stefan.“, weichen wir einer alten Frau mit Hund aus.

„Aber, aber … na, gut. – – Selber Schuld. Ich mag den betrunkenen Stefan.“, stecke ich mir das Maoam in den Mund. „Also, wenn wir noch einen Meter weiter gehen, kannst du mich gleich zurück tragen. Ich bin fix und fertig.“ „Wir können auch einfach da vorne rein?“, zeigt er die Straße runter auf eine Bar, die wir eigentlich vermieden hätten, weil sie nach Tourismus aussieht.

Am Eingang steht schon ein Schild mit Die 100 besten Biere der Welt und Bitte keine Städtetouren und Junggesellenabschiede, was die Sache nicht vielversprechender macht. „Also hattest du gestern doch noch eine gute Zeit, obwohl ich nicht für dich da sein konnte?“, fragt er vorsichtig, fast so, als hätte er Schuldgefühle – was soll ich ihm darauf erwidern? Dass er nichts dafür kann, dass ich einfach gerne irgendwann damit angegeben hätte: „Ich habe mit den und denen ein Bier getrunken!“ – – dass ich letztens gelesen habe, dass Menschen Ende 20ig, Ende 50ig und Ende 80ig am einsamsten sind und Einsamkeit dadurch entsteht, dass man nicht etwa alleine ist, sondern dass man nicht die sozialen Kontakte hat, die man sich wünscht und ich deshalb nach der Veranstaltung furchtbar einsam vor dem Kiosk saß, bis mich eben Jessica angesprochen hatte und fragte, wie es mir geht und ich ehrlich antwortete: „Ach.“ Und sie so: „Wie, Ach?“ „Ach. Ganz gut – glaube ich.“ „Das glaube ich nicht, dir sieht man doch an, dass es dir nicht gut geht.“

„Nein, du hättest auch nichts besser machen können als Jessica.“, folge ich ihm zu einem freien Tisch im hinteren Bereich des Restaurants. „Meinst du, es wird noch voll hier drin?“, zeigt er auf die vielen Reserviert-Tischschildchen. „Ist ja erst sieben Uhr – also nachher vielleicht? Können dann ja mal gucken, ob wir dann nicht einfach wieder gehen.“, werfe ich einen Blick in die Speisekarte. „Bestell gleich mal ein Weizen für mich, falls der Kellner kommt, ja? Ich geh eben pissen.“, verabschiedet er sich und als er wiederkommt, geh ich pissen und meine: „Bestell gleich mal ein großes Bier für mich, wenn der Kellner kommt.“ und als ich mich wieder an den Tisch setze, schaut er nur dumm aus der Wäsche, lacht fast und zeigt auf die Karte: „Wenn ich für dich ein großes Bier bestellst hätte, wäre mir wahrscheinlich der Kellner an den Hals gesprungen, weil die haben hier 100 verschiedene Biersorten im Angebot.“ „Ok, dann ähm … nehme ich ein … ähm …“, kommt der Kellner zu unserem Tisch.

„Was darf’s denn sein?“ „Ein großes Weizen bitte für mich – die Nummer 13.“ „Und für Sie, der Herr?“ „Ich nehme … ähm … da ihr ja so eine große Auswahl an Bier habt, nehme ich ein Wein, bitte. – – Nein, Spaß beiseite. Ich probiere mal das tschechische Bier hier, die Nummer 32.“ „Gerne.“, bleibt der Kellner trotz meines dummen Dad-Jokes freundlich.

Kurzgeschichte

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