Outlaw King

„So, was spielen wir heute? – – Oh, wie ich sehe, hast du das neue God of War und Assassins Creed Odyssey? – – Hab ich zu Hause auch auf meinem Computer.“, lacht er und lässt sich auf das Sofa fallen. „Was willst du denn spielen?“, entgegne ich und lasse mich ebenfalls in meinen Sessel fallen, lege die Beine hoch. „Keine Ahnung, was hast du denn sonst noch da?“, scrollt er durch seine Nachrichten auf dem Smartphone, dass mir der Kloß im Hals stecken bleibt. „Kannst du dein Smartphone bitte im Flur liegen lassen?“, mache ich die Musik lauter. I’m on fire dröhnt jetzt durch die Boxen. „Was? Warum das denn? – Glaubst du wirklich den ganzen Mist?“, lacht er mich fast aus.

„Weißt du, manchmal habe ich das Gefühl, wir leben nur in einer Simulation – ja, und diese ganzen Filme, Bücher und Musikbands liefern uns Anhaltspunkte, um den Kode selbst zu knacken. Man muss nur genau hingucken.“ „Wenn wir in einer Simulation leben, dann kann man doch auch die Grenzen eben dieser testen, oder?“, lacht er und macht ein Video auf seinem Smartphone an und legt es in den Flur. „Mal gucken, was jetzt dabei rauskommt.“, lacht er.

„Ich hab übrigens die letzte Folge Zapp Das-Medienmagazin gesehen. Hast du die Berichterstattung über die Vergabe des Friedensnobelpreises gesehen und wie sie einfach direkt danach wieder in den Nachrichten über die steigenden Umsätze der Rüstungsindustrie berichtet haben? – – Ich liebe so verrückte Zufälle.“, lache ich und stehe jetzt neben ihm und scrolle über die Tweets, die er jetzt nach dem Video in seiner Timeline findet.

„Was hast du denn da laufen lassen, dass die jetzt alle so abdrehen?“, lache ich fassungslos und laufe ihm ins Wohnzimmer hinterher, wer hätte das gedacht? Leute, die man beim Wochenmarkt antrifft, sind wirklich cool drauf. „Oh, Mann.“, schüttelt er nur den Kopf und muss das erst mal verarbeiten. „Hab ich doch gesagt!“, lasse ich mich in meinen Fernsehsessel fallen und drehe mich zum Bildschirm. „Also, was wollen wir jetzt spielen?“, frage ich noch einmal und drehe die Musik wieder leiser, sodass wir uns unterhalten können. „Ich hab da ’ne Idee, wenn du so auf Spiele stehst, dann … ähm … hier … warte … hast du ein Kartenspiel?“ „Klar, hier irgendwo in der Schublade muss ein Kartenspiel sein.“, wühle ich die Schublade meiner Kommode durch.

„Und was willst du gleich spielen? Black Jack? Poker? Mensch, ärgere dich nicht?“, rede ich über meine Schulter mit Flo. „Das verrate ich nicht. Das wirst du dann sehen, wenn wir soweit sind.“ „Ähm, ok – ich spiele ja gerne deine Spielchen mit, aber ich möchte trotzdem gerne wissen, was hier gespielt wird.“ „Das wirst du gleich sehen – also, zieh eine Karte.“ „Ok. Ich ziehe eine Karte.“ „Du musst nicht immer kommentieren, was du da gerade tust.“ „Ich weiß, ich weiß – aber gehört das nicht zum Kartentrick dazu? Du willst mir doch einen Kartentrick zeigen, oder?“, schaue ich mir die Karte genau an. „Und? Hast du dir gemerkt, welche Karte du gezogen hast?“ „Wie könnte ich das vergessen.“

„Also, jetzt schieb sie wieder in den Stapel und schlag einmal kräftig unter meine Hand.“ „Was soll ich tun?“ „Einmal kräftig unter meine Hand schlagen, na komm. Du kannst das doch so gut.“, zwinkert er mir zu und in dem Moment schlage ich auch schon unter seine Hand, sodass der Kartenstapel in die Luft fliegt und sich im Zimmer verteilt.

„Und jetzt?“, schaue ich ihn an. „Wie, und jetzt? – Jetzt kannst du alle Karten wieder aufheben.“, lacht er und ich weiß nicht, ob euch das schon mal aufgefallen ist, aber dicke Menschen haben ja immer diesen Resonanzkörper und wenn sie lachen, aus tiefstem Herzen lachen, vibriert ihr Bauch gleich mit – nun, er ist nicht dick, aber seine Lache ist genauso kräftig wie die eines Dicken. „Was?“ „Na, komm.“, summt er jetzt Don’t Give up on Love mit.

„Du kannst mich mal!“, lache ich jetzt auch und zeige ihm den Vogel. „Ach, komm schon.“, fängt er an die Karten aufzusammeln und legt dabei eine Karte umgedreht auf die Tischplatte – „Ist das deine?“, fragt er nur kokett und sammelt weiter die Karten auf. „Fuck, ja Mann! Pure Magie!“, bin ich fassungslos und fange dann an die Karten auch wieder aufzusammeln.

„Also, du hast gerade von Filmen gesprochen? Welche Filme können wir uns denn angucken, wenn wir schon keine Spiele spielen dürfen.“ „Nun, hast du schon Outlaw King gesehen? Soll recht gut sein, zumindest versucht er sich jetzt mal an der historischen Genauigkeit.“ „Worum geht’s?“ „Um den schottischen Thron zu William Wallace-Zeiten. Hat ja mal ein Film mit … meine Güte, wie hieß der Typ in Braveheart nochmal?“ „William Wallace?“ „Nein, der Schauspieler.“, lacht er jetzt wieder auf diese unvergessliche Art und Weise.

„Ziemlich coole Musik, die du da laufen hast.“, zeigt er anerkennend auf den Bildschirm. „Danke, die Band jetzt heißt glaube ich Mighty Oaks mit ihrem Album Howl.“ „Hast du denn schon Odyssey und God of War angespielt?“ „God of War, ja. Ist nur ein bisschen dumm von mir immer zwischen den verschiedenen Spielen hin und her zu switchen. Ich komm mit der Steuerung ganz durcheinander, deshalb spiel ich jetzt erst mal das neue Red Dead Redemption zu Ende und stürz mich dann auf die anderen Titel.“ „Das ist löblich – was hast du denn noch so rumfliegen? Fifa vielleicht?“ „Ne, hier ist meine ganze Spielesammlung.“, lege ich ihm die vier Titel hin. „Oh, Spiderman ist aber nicht ganz deine Altersklasse, oder? – – Ist doch eher was für Kinder, ne?“, neckt er mich.

„Ja, aber zum eben zwischendurch mal reinlegen und abschalten, ist es genau richtig.“ „Und was hältst du davon?“, ist er wieder so neugierig. „Well, was soll ich dazu sagen? Warum interessierst du dich eigentlich auf einmal dafür, was ich dazu zu sagen habe?“ „Nun, einfach nur so.“, lacht er. „Okeeaay, ist trotzdem seltsam.“ „Ist nur bloße Konversation – entspann dich mal.“, kommentiert er mein lang gezogenens Okay. „Ok, also ohne die Batman und Assassins Creed Reihe gäbe es dieses Spiderman-Spiel nicht. Die haben das Kampfsystem davon abgeguckt und wie man von Haus zu Haus klettert und Dinge erkundet, die ganze Kartenansicht mit den Quests und das alles.“, will ich schon wieder zu einem Monolog ausholen. „Naja, und was ist da so schlimm dran?“, unterbricht er mich aber.

„Ähm, nichts.“, bringe ich deshalb nur überrascht hervor – nur dass die Spiele ihre Anerkennung bekommen haben, die Entwickler sind für die harte Arbeit entlohnt worden und mit Preisen überschüttet worden. „Ich weiß, dass das bei dir ein wunder Punkt ist, mit der ganzen Sache, die dir passiert ist, aber ist doch toll, wenn die voneinander lernen.“, klingt Flo auf einmal sehr mitfühlend.

„Ja. – – Ja, schon gut. Ich bin es ja auch leid darüber zu sprechen.“ „Dann haben wir ja einen guten Vorsatz fürs neue Jahr.“, lacht er und manchmal habe ich das Gefühl, …

Kurzgeschichte

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