„Zusammenführen. Und zusammen führen.“

Ich habe mir jetzt noch mal die Talk Show von Anne Will zum Thema „CDU mit neuer Chefin – reicht das für einen Neustart?“ angeguckt und was soll ich sagen?

Vorweg, ich versuche immer noch den richtigen Tonfall zu finden, um hier niemanden unnötig vor den Kopf zu stoßen – work in progress oder wie geht diese Redewendung nochmal? Ich habe die Wahl zum CDU-Parteivorsitz wie so viele am Ferhnsehen mitverfolgt und irgendwie fühlte ich mich wie Johnny Depp in The Rum Dairy, als er mit seinem Mitbewohner zusammen eine Nixon-Rede im Fernsehen mitverfolgt und sich über die fahlen Lügen aufregt hat.

Die FAZ hat einen schönen Artikel über die Macht der Netzwerke in diesem Zusammenhang geschrieben und damit eigentlich schon einen Teil meines Artikels vorweg genommen. Denn wir kennen doch alle die Szenen aus House of Cards und diese legendären Absprachen hinter geschlossenen Türen; ein Indiz für das zumindest schon vorher abzusehende Ergebnis war doch das Interview des Phönix-Senders mit einem CDU-Mitglieds, der über diese neuen Sichtschutzwahlaufsteller ausgefragt wurde und danach gefragt wurde, wen er wählen würde; aber mal im Ernst, wir kennen das doch selbst noch aus der Schulzeit, als man einen Klassensprecher gewählt hat und drei Kandidaten vorgestellt wurden, einer, der schon zehn Mal sitzen geblieben war und nur deshalb populär zu sein schien, weil er somit klüger war als alle Lehrer zusammen, oder eine, die sich mit ihrer Karnevalsversion von Obama’s Yes-we-can-Rede eigentlich auch die Lehrerin gewünscht hatte und dann noch ein Jungspund, der viel Potenzial hat, aber dafür An Tagen wie diesen in seiner Rede zitiert. Da wusste man auch vorher schon, wer die nächste Klassensprecherin werden würde und nach der Schulzeit das Lehramtsstudium probieren wird.

Ich fand’s trotzdem witzig, wie lange ich meine Klappe halten konnte und wie wenig es brauchte, um mich zu provozieren, dass ich mich wieder für Alle angreifbar gemacht habe; denn, natürlich braucht man eine starke Rüstung, wenn man sich mit der Politik in Berlin anlegt – oder man hat eben nichts mehr zu verbergen (vielleicht ist es auch nur ein Zufall gewesen, dass ich nach dem Parteitag aus meinem Twitter-Account rausgeflogen bin).

In diesem Sinne könnte ich das Zitat von Friedrich Merz mit: „Lasst uns doch einfach in Ruhe arbeiten“ auch gekonnt wieder in seine Richtung zurück schmeißen, denn sagen wir mal so: „Ja, mein Ehrgeiz, als der Erste, der diese Sache aufdeckt, in die Geschichte einzugehen, hat mich natürlich wieder auf die politische Landkarte gepfeffert, aber ich habe doch nur ausgesprochen, was sowieso viele dachten; man darf mir ruhig hoch anrechnen, dass ich so lange die Klappe gehalten habe, bis es selbst für den letzten Idioten offensichtlich war!“ – es gibt auch nicht mehr so viele Idioten, die ihr täuschen könnt.

Das einzig Dumme an der ganzen Sache, bis jetzt habe ich immer gedacht, wenn wir die Politik von den Halbwahrheiten befreien, wäre es leichter dagegen anzugehen, aber ich befürchte, das war ein Trugschluss von mir und ich habe nicht nur mich selbst depressiv gemacht mit dieser Erkenntnis, wie die Welt wirklich funktioniert und das sie so funktioniert wie sie funktioniert und wir irgendwie nichts dagegen tun können, außer auf die Straße zu gehen und zu streiken – ich denke hier nur an Trumps: „Uns geht es nur noch um den Waffendeal und das Öl.“ und jeder vorherige US-Politiker: „Was, einfach die Wahrheit zu sagen ging auch?“ (Quelle: Last Week Tonight with John Oliver – glaube ich)

Hier noch ein Auszug aus meinem alten Text (den ich nicht veröffentlicht habe) über das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen, da auf Twitter rege Diskussionen geherrscht haben, wer wie nicht über Schwangerschaftsabbrüche werben darf, nachdem es in der Sendung zur Sprache kam:

Informationen, da wären wir schon beim Thema. Informationen zum Schwangerschaftsabbruch. Wir haben da diesen § 291a StGB. Nach Absatz 1 wird derjenige oder diejenige mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise 1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder 2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt.

Nehmen wir doch mal diesen Absatz auseinander. Wofür habe ich denn drei Jahre lang eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht – da soll mal einer sagen, die drei Jahre Ausbildung hätten nichts gebracht; ich hoffe nun einfach, ich hab gut aufgepasst und baue jetzt keinen Mist; sonst mach ich mich strafbar und das will doch niemand.

Irgendjemand wird hier pauschal gesagt mit Freiheitsstrafe bestraft, wenn er oder sie öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften Hinweise anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt – ok, da kann ich mich nicht rausreden. Diese Seite ist öffentlich, sogar eine Art Versammlung von Menschen und dieser Text noch dazu eine Schrift; aber …

… das Lustige an diesem Absatz ist, dass, wenn ich mein kümmerliches Rechtswissen richtig anwende, nur derjenige oder diejenige mit Freiheitsstrafe bestraft werden kann, wer 1tens Informationen seines Vermögensvorteils wegen (also, um was dazu zu verdienen – und das können wir hier nun definitiv verneinen. Ich verdiene mit diesem Blog kein Geld; jetzt nicht und in Zukunft auch nicht) anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt – – also können wir das schon mal ausschließen.

Machen wir mal weiter. Nur derjenige oder diejenige kann mit Freiheitsstrafe bestraft werden, wer 2tens in grob anstößiger Weise (bin ich jemals anstößig?) Informationen anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt.

Also bin ich einfach ganz sachlich und kann nicht mehr bestraft werden? Natürlich könnte ich auch eine meiner berühmt berüchtigten Kurzgeschichten schreiben, wo ein junges Paar rumvögelt und dann die Pille danach braucht, deshalb an einem Sonntagmorgen zur Apotheke gehen muss und von der Apothekerin gesagt bekommt, dass die Pille danach oder auch „Plan B“ nur 3 Tage nach dem Geschlechtsverkehr zu nehmen ist, am besten 24 – 48 Stunden danach, ansonsten ist sie nicht mehr effektiv.

Und jetzt noch ein kleiner, freundlicher Hinweis, wenn ich für euch Reden schreiben soll, ich bin recht günstig, müsst mich nur fragen – dann müssen eure Redenschreiber nicht immer meine Texte lesen und daraus eure politischen Statements basteln. Hab euch lieb, bis demnächst, euer Stefan.

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