About life with and without

Irgendwann habe ich mal erzählt, dass ich mich mit bestimmten Themen zurückhalte, weil ich ja noch ein Buch schreibe nebenbei und mittlerweile checke ich, dass dadurch die Qualität meiner Blogposts nachlässt.

Es ist, als würdest ihr einem Staffellauf zusehen und nur die Staffellaufstabübergabe mitkriegen und nicht die zurückgelegten Meter, die ich mir zusammendenke und lasse euch dann meist verwirrt zurück; was mir nur noch bedingt leid tut.

Zum Beispiel schweige ich darüber, dass ich letztens ein Please don’t kill yourself-Poetry-Slam-Video gesehen habe und es bis zu einem bestimmten Zeitpunkt faszinierend fand, bis er anfing mit: „Gott will nicht, dass du stirbst!“ – – und dann sehe ich auf Twitter einen Artikel mit Amanda Palmer, wie sie ein Gedicht von Jane Kenyon’s vorträgt und mir laufen die Tränen dabei herunter.

Nicht aus Trauer, weil es so passend ist, das vielleicht auch, sondern als verpasste Chance; mittlerweile grenzt es nämlich fast an einen Wettbewerb, einem Staffellauf vielleicht sogar; wer ist schneller, wer ist der Erste an der Ziellinie der Wortspiele und cleveren Blickwinkel?

Ich denke mir nämlich immer wieder, wenn ich das jetzt nicht poste, postet es irgendjemand anderes und ich darf nachher beweisen, dass ich nicht von ihm oder ihr abgeschrieben habe – so muss ich immer abwägen und entscheide mich meist dafür, alles einfach rauszuhauen, in einen neuen Text zu verpacken und zu veröffentlichen.

Und das, meine Damen und Herren, ist der einzige Grund, warum ich meine derzeitige Lebenssituation so hasse und ständig schlecht gelaunt bin ( – tja, schön wär’s)! Weil ich nicht zum so viel Schreiben komme, wie ich es gerne möchte! Weil ich aufpassen muss, nicht irgendwelche Ideen auszuplaudern, die ich vielleicht in meinen Manuskripten in der Schublade liegen habe! – – Kann mir das irgendjemand ersetzen? Die vielen verpassten Chancen, die vielen Eureka-Momente, die mein Schreiben sonst hervorgerufen hätte, wenn ich unbekanntes Territorium betreten habe und genau weiß, dass wird den Leserinnen und Lesern gefallen, weil es eine gottverdammte Offenbarung ist!

Stattdessen schreibe ich etwas und stolpere über anderer Leute Wörter, die es besser beschreiben, spüre schon wieder die hungrigen Blicke über meiner Schulter, habe noch immer Panik einen Stift in die Hand zu nehmen und meine Seele umsonst zu offenbaren, habe keine Lust mehr umsonst aufwendige Traumschlösser zu bauen, habe keine Kraft mehr ein Exposé zu schreiben für ein Buch, dass sowieso schon jeder gelesen hat! – – Ja; ich weiß, diese Zeilen sind nicht neu, aber vielleicht geht es euch ja jetzt endlich genauso wie mir, wenn ich neue Musik, neue Serien, neue Filme gucke und mich frage, ob ich für die Ursprungsidee vielleicht mal irgendwann bezahlt werde.

Ich habe es mittlerweile schon fast aufgegeben in Verbindung damit überhaupt mal irgendwo meinen Namen zu hören, stattdessen schalte ich durchs Fernsehprogramm und hasse mich, dass ich mich so leicht ausnehmen lasse wie eine verwesende Leiche von den Assgeiern – dass die Leute noch nicht den Sarkasmus aus meinem: „Nein, kein Problem. Ich hab Zeit. Ich warte gerne.“, heraushören, verwundert mich trotzdem irgendwie.

Ja, nennt mich ruhig neidisch, wenn ich euch beim tollen Netzwerken zusehe und frustriert vor meinem Scherbenhaufen stehe, weil ihr mal wieder meine Tassen aus dem Schrank geschmissen habt. Und wenn ich euch dann mit den Scherben bewerfe, wollt ihr nichts mehr mit mir zu tun haben – welch wunderbare Logik, soll ich etwa immer nur brav in der Ecke stehen und alles über mich ergehen lasse?

Ich weiß genau, jetzt wollen wieder einige argumentieren, dass ich ja selbst daran Schuld bin, aber ihr würdet doch auch irgendwann den Antrieb verlieren und Please don’t kill yourself-Poetry-Slam-Videos gucken und euch über den göttlichen Ansatz ärgern, oder?

Aber nehmen wir mal an, ich würde mir nicht im Laufe des nächsten Jahres die Kugel geben, was soll ich in fünfzig Jahren meinen Enkeln erzählen? Dass die und die Serie mal eine Hommage auf meine Texte gemacht haben, man muss nur genau hingucken und bei dem und dem Lied genau hinhören! Das der und der Hollywood-Film durch meine Ideen inspiriert wurde, dass sie Lieder über meine Wunden geschrieben haben; so ganz ohne Beweis bin ich dann doch auch nur ein schlechter Käpt’n Blaubär, verdammt!

Wo bleibt meine Anerkennung? Steht dazu, dass ihr meine Ideen verarbeitet! Wenn ich schon kein Geld dafür bekomme, gibt mir wenigstens ein: „Inspiriert durch Stefan Schürrer“ im Vorspann, ihr fiesen Wichser!

Oder muss ich bald noch mehr als bisher mit dem digitalen Klingelbeutel durch die Fußgängerzone der Redaktionen streifen und dabei ein: „Bitte erwähnt endlich meinen Namen! Einmal meinen Name, bitte! Mein Name. Oder Anerkennung? – – Ich habe Frau und Kind, ich brauch doch nur einen Namen.“ murmeln?

Tagebuch

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Autorenseite:

https://de-de.facebook.com/StefanSchuerrer

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