Gedanken sortieren – Episode 1

That’s why i can’t get any fetter – ist fetter ein Wort im Englischen? Und warum rede ich überhaupt Pseudo-Englisch? Well, let’s all find out in this Episode of What do i know, why do i know this crap and how can i do a healthy detox and get rid of this crap? – inspiriert durch einen Tweet, den ich letztens geliked habe: Irgendwas irgendwas Gedanken sortieren bla bla; was, wie ich finde, eine perfekte Idee für einen Blogpost ist, an Tagen, wo ich mir krank zu Hause die Lunge aus dem Leib huste.

Ich meine, vor dem Laptop zu sitzen tut man doch sowieso die ganze Zeit, selbst wenn man krank geschrieben wurde, läuft das Mistding und streamt irgendwelche Serien als Hintergrundrauschen für den Wasserkocher, der das Teewasser aufwärmt – warum sollte ich mich nicht an einem Text versuchen? Proust hat seine Bücher im Krankenbett geschrieben – was auch gleichzeitig meine Frage beantwortet, was Menschen statt Serien zu streamen vor 20ig Jahren gemacht haben, sie lagen wahrscheinlich auf dem Sofa und haben sich vom Fernseher berieseln lassen.

So, wo packe ich diesen Gedanken hin? – – Wahrscheinlich in den Erledigt-Ordner? Gott, ich hasse es meine Gedanken zu sortieren. „Nein! Nein! Nein, nicht in den Erledigt-Ordner! In-den-komisch-zu-Ende-gedacht-Ordner damit!“, ruft mir eine kleine Frau am Ende des langen Ganges zu. „Du bringst noch das ganze Ordnungssystem durcheinander!“, nimmt sie mir die Akte schließlich aus der Hand und richtet ihre Lesebrille, die ihr vom schnellen Laufen von der Nase gerutscht war.

„Welches System denn bitteschön? Ich habe gerade noch diese philosophische Abhandlung über Sokrates, die ich letztens im Internet gelesen hatte und vor kurzem meinem Arbeitskollegen an den Kopf geworfen habe, als er sich bei mir beschwerte, wie Gott sowas nur zulassen könne: Wenn Gott allmächtig ist, würde er Leid verhindern können; da er es aber nicht verhindert, muss er ein Arschloch sein und dürfte nicht als eine Art Gott angebetet werden; also kann er nicht allmächtig sein, irgendwo auf einem Stapel Papiere gefunden, der gelabelt war als Einfach-Vergessen.“ „Finger weg von meinen Stapeln! Und Finger weg von den Zetteln! Sie bringen noch alles durcheinander! – – Was machen Sie eigentlich hier?“, nimmt sie mir auch diesen Zettel aus der Hand und steckt ihn einfach in eine ihrer Taschen ihres langen, wallenden Kleides.

„Wo ist denn der Rest der Konversation? Ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Arbeitskollege dann sowas entgegnete wie: Dann ist Gott tot?“ „Wie sind Sie hier reingekommen? – – Ihr Gesicht kommt mir so bekannt vor. – – Wer hat Sie hier reingelassen?“, schaut sich die kleine Frau fast panisch um.

„Haben Sie mir gar nicht zugehört? – – Ich möchte wissen, was für ein absurdes System das hier ist. Ich finde keine meiner wichtigen Gedanken da, wo wichtige Gedanken sein sollten.“ „Sind Sie von HQ? Hat HQ endlich mal jemanden geschickt, um mich in diesem Chaos zu unterstützen? – – Aber laut Plan soll doch erst jemand in 30ig Jahren kommen und mich ablösen.“, schaut sie jetzt auf ihr Clipboard und durchstöbert ihre Termine. „Aber hier steht nichts von einer vorzeitigen Aushilfe; wieso sagt mir eigentlich nie jemand was?“ „Und bei wichtigen Gedanken finde ich nur so ein Mist wie: Du bist vorsichtig geworden, das kann ich verstehen.“, reißt sie mir auch diesen Zettel aus der Hand und murmelt: „Ich hab doch gar keine Zeit, um eine Aushilfe einzuarbeiten. – – Warum hat HQ Sie gerade jetzt hier runter geschickt? Ich versteh das nicht.“, mustert sie mich jetzt mit ihrer vorgehaltenen Lesebrille aus nächster Nähe.

„Ich bin HQ. – – Zufrieden?“, platzt mir fast der Kragen und mache ein paar Schritte zurück. „Sie sind vom HQ? – – Warum haben Sie das denn nicht gleich gesagt? Hier sieht es gerade etwas chaotisch aus, aber kommen Sie deshalb bitte nicht auf falsche Gedanken.“, verfällt die kleine Frau wieder in einen ihrer Redeschwalle. „Wenn ich richtig informiert bin, müssten wir die dann da vorne abheften, aber da habe ich vorhin nur das hier gefunden: Vorsichtig? Ich war eine lange Zeit vorsichtig, jetzt bin ich lieber gar nichts mehr. – – Erklärt mir mal jemand, warum das ein falscher Gedanke sein soll? Ich meine, ich muss jetzt nicht nur auf mich aufpassen, sondern auch noch auf alle Anderen – deshalb bin ich lieber alleine. Das ist doch nur der logische Schritt.“ „Was? Haben Sie gerade gesagt, sie sind das HQ? – – Ja, natürlich. Sie kamen mir schon so bekannt vor, aber ich wusste einfach nicht, wo ich Sie einordnen sollte. – – Bitte entschuldigen Sie die Unordnung; was machen Sie denn hier unten? Müssten Sie nicht da oben für Ordnung sorgen?“, streicht sie jetzt ihr Kleid gerade und ihre Haare glatt.

„Nochmal, vielmals um Entschuldigung für die Unordnung, aber wie Sie sehen, ich bin hier ganz alleine und ein bisschen überfordert mit allem. Ich meine, es sind ja nicht nur die schon bestehenden Gedanken zu sortieren, zu kategorisieren und abzuheften, sondern es kommen auch immer wieder neue dazu und da Sie sich ja aktiv dazu entschlossen haben am Leben der Anderen teilzunehmen, bin ich hier halt manchmal etwas überfordert. – – Aber wo sind meine Manieren? Es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen.“, hält sie mir jetzt die Hand hin zur förmlichen Begrüßung.

„Ich kann doch nicht noch dafür verantwortlich gemacht werden, was Leute in meiner Umgebung in der Öffentlichkeit sagen oder machen, oder? Das wäre lächerlich.“, reibe ich mir die Augen mit Zeigefinger und Daumen, nehme schließlich die Brille ab, um mir die erschöpften Augen mit dem Handrücken zu reiben und die Brille anschließend zu putzen.

„Ähm“, steht die kleine Frau in ihrem wallenden Kleid etwas überfordert vor mir und pustet schließlich angestrengt, als Sie vom Gedankomat zurückkommt, mit einem neuen Schnipsel in der Hand. Sie überfliegt ihn kurz und antwortet schließlich: „Aber Sie sind dafür verantwortlich, was Sie davon aufschreiben und das wissen Sie auch. – – Die letzten Monate haben Sie das ganz gut gemacht, würde ich sagen. Sie haben nicht noch mehr Chaos verursacht, sondern mitgeholfen Dinge zu reparieren und das ist es doch, was am Ende zählt.“, lässt sie den Gedankenschnipsel einfach fallen und tätschelt mir mitleidig die Schulter. „Auch wenn Sie noch keinen Preis dafür gewonnen haben.“, lehnt sich die kleine Frau, etwas verkrampft auf lässig gemacht, an einem der Aktenregale an und man kann mit bloßem Auge dabei zusehen, wie es umfällt und alle weiteren Regale wie in Zeitlupe mit sich reißt.

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