Nächtliche Gedanken

Ich hab lange darüber nachgedacht, ob ich darüber schreiben soll, auch weil ich dem Film keine zusätzliche Promo geben wollte, aber vielleicht muss ich das einfach loswerden, damit ihr versteht, warum ich das Gefühl habe den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Ich musste mich ja schon daran gewöhnen, dass  – boah, stellt euch einfach eine ganze Liste mit Dingen im künstlichen Betrieb vor, von Songs über Serien, von YouTube Formaten über Late Night Shows, die wegen meiner Ideen Dinge gemacht haben und soweit habe ich da kein Problem mit, sofern es sich dabei um von mir veröffentliche Dinge handelt, was mir aber den Boden unter den Füßen weggezogen hat, waren nicht nur die zwei Nietflix Serien, sondern eben vor allem dieser eine Film im Kino.

Stellt euch mal vor, ihr geht nichtsahnend ins Kino und seht eure Story auf der Leinwand. Einfach so, ohne Vorwarnung die Story eures nicht veröffentlichen Manuskripts – das hat mich ruiniert. Ich kam gerade von meinem Trip nach Amsterdam und der iESC wieder und hatte mich aufgebaut, mich wieder zusammen gerissen, war bereit der Welt ein weiteres Mal ins Gesicht zu lächeln und mein Geschreibsel weiterzuführen, da saß ich in dem menschenleeren Kinosaal und sah meine Welt erneut zusammen brechen – manchmal bin ich sehr naiv, das gebe ich zu.

Wenn sich ein drittklassiger Streamingdienst an meinem Manuskript vergehen konnte, warum nicht auch gleich ganz Hollywood – bitte sagt mir demnächst vorher einfach Bescheid, wenn sich noch mehr Kunstschaffende an meinem Werk vergangen haben und es illegalerweise adaptiert haben, dann bleib ich einfach zu Hause.

Und später dann im Zug einen Artikel von besagtem Regisseur zu finden, der sich darüber auslassen darf, dass er solche Probleme mit der Fertigstellung dieses Films hatte und sogar kurz im Krankenhaus war und all so ein Zeug, da könnte ich kotzen – das war wirklich die Kirsche auf dem Eisbecher, der momentan mein beschissenes Leben darstellt.

Ich weiß, viele von euch wären froh da zu sein, wo ich jetzt bin und träumen davon das erreicht zu haben, was ich erreicht habe, aber was bringt mir der größte Ruhm, wenn ich immer noch jeden beschissenen Morgen zur Arbeit einstempeln muss und deshalb keine weiteren geilen Storys schreiben kann.

Mir kommt es so vor, als würde ich hinter einem Büroschreibtisch vergammeln, jede kostbare Minute meines Lebens verschwenden und, ach … ich wiederhole mich ja andauernd nur noch, wie so eine kaputte Schallplatte leier ich den immer selben Mist, trete auf der Stelle.

Worauf ich hinaus will, ich möchte auch nur einen von euch dabei die Nerven bewahren sehen. Ich bin ausgerastet und wollte am liebsten zu diesem besagten Regisseur fahren und ihm eine verpassen; na, wenn das auch nur irgendwas an meiner Situation geändert hätte – wie kann er sich erdreisten sich einfach so an meiner Story zu vergehen? Wie kann er jetzt nur für die Kameras lächeln und zufrieden grinsen?

Ach, ich bin so müde. Hätte doch nur einer von denen gefragt, hätte ich mich geehrt gefühlt. So bin ich aber einfach nur erschöpft. Erschöpft zu kämpfen. Müde mich rechtfertigen zu müssen in einer Welt, die von Scheinheiligkeit durchströmt wird. Das System hat mich mürbe gemacht und ja, es tut wirklich gut, dass so viele Anteil an meiner Situation nehmen, mir Nachrichten zukommen lassen und für mich da sein wollen – das ist mein einziger Trost.

Ansonsten müsste ich mich darauf verlassen, dass die, die sich heute fleißig die Hände schütteln und dumm hinter ihren Ständen hervorgucken, in hundert Jahren vergessen sein werden, ihre Werke zu Staub zerfallen sind, während meine Texte noch in zweihundert Jahren Bedeutung haben, bis sich die Welt in einem großen Feuerball ebenfalls auflöst und in Staub aufgeht – und das ist kein schöner Trost.

Da ist eine nette Nachricht, ein paar freundliche Worte, ein Schulterklopfen oder ein netter Tweet genau das Richtige, um meinen mürben Willen aufrecht zu erhalten. Wisst ihr, für so viel Unterstützung, Mitfiebern und man könnte fast schon sagen Mitleiden, habt ihr doch so langsam mal wieder einen Erfolg verdient, oder?

Wenn ihr euch fragt, woher dieser Sinneswandel kommt und warum ich mal wieder den Staub abklopfe und versuche weiter zu machen, woher ich die Kraft diesmal nur wieder hernehme immer wieder aufzustehen, – tja, ich weiß es selber auch nicht.

Das klingt vielleicht beschissen, aber ein kleines bisschen auch für euch – und weil ich so kurz davor stehe, was noch Größeres zu schaffen. Was ich jetzt einfach brauche, wäre ein Team von Menschen, die die klassischen Mechanismen des Buchhandels lostreten würden, um Erstens mein erstes Manuskript zu verlegen und mir Zweitens etwas Zeit verschaffen, dass ich mein zweites Manuskript zu Ende schreiben kann und wenn das zu viel verlangt ist, nach allem, was ich durchmachen musste, dann gibt es wahrlich keine Gerechtigkeit auf der Welt.

Unterwegs

Stefan Schürrer View All →

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