Buchmesse – Frankfurt am Main

Wieso komme ich mir in den letzten Tagen nur so vor, wie einer, dem die Welt abhanden gekommen ist?

Als würde die Welt auf einmal nicht mehr mit Zahlen rechnen, sondern mit Äpfeln und Birnen versuchen die Welt zu vermessen und das auch noch für völlig normal halten.

Ich weiß, ihr erwartet wahrscheinlich irgend so einen Titanenspruch von mir, wie: „Wenn ich noch einmal die Frage höre, wie er denn schreiben würde, wie sie die Ideen für ihre Werke findet, dann stürz ich mich ins nächstbeste Bücherregal!“ – aber man kann nicht die ganze Zeit den Superhelden spielen und irgendwie sind solche Fragen doch eh nur interessante Übungen, um dein Gegenüber kennenzulernen. Beim Blind-Date stellst du ja auch alle möglichen dummen Fragen, um zu gucken, ob sich dein Gegenüber mit etwas Charme und Witz aus der Situation retten kann.

Das versuchte ich am ersten Abend der Frankfurter Buchmesse auch der Bardame zu erklären, aber sie hatte wohl schon so viele Geschichten über mich gehört und gelesen, dass sie nicht mit der Version zufrieden war, die einfach keinen Bock mehr hatte Superheld zu spielen und schleppte deshalb noch eine Freundin an und Spielzeug und ach, … wenn man nicht das findet, was man sucht, aber braucht, war es dann trotzdem ein gelungener Abend?

Wenn du das Gefühl hast, der einzig normal denkende Mensch zu sein, dann gerät man schnell in diese Sackgasse deines Denklabyrinths, dass vielleicht etwas mit dir nicht stimmt; aber dann sitzt man im Zug zur Buchmesse und beobachtet Leute dabei, die mit Musik in den Ohren am Laptop nach neuen Kopfhörern shoppen und niemand scheint an dieser Situation etwas seltsam zu finden.

Wahrscheinlich liegt es wirklich an mir. Wahrscheinlich bin ich derjenige, der vor Nervosität nicht aufhören kann zu schwitzen, der sich vor Nervosität die Lippen blutig beißt und deshalb allen Leuten aus dem Weg geht und sich nach jeder gescheiterten Kontaktaufnahme mit Kollegen am liebsten in Luft auflösen will, aber wisst ihr eigentlich, wie ihr in euren kleinen Grüppchen auf so einen dummen, kleinen Jungen aus einer Kleinstadt wirkt? Ziemlich bedrohlich, als könntet ihr mir den Kopf abreißen.

Dabei liebe ich meinen Kopf. Nicht oft und gerade sowieso nicht, aber sonst immer – jetzt gerade sagt mir mein Kopf, was machst du eigentlich hier? Machst dich wieder verwundbar, zeigst deine Schwächen und für was und wen? Wofür?

Hätte man mir vorher gesagt, dass ich abends lieber in meinem Hotelzimmer bleibe und „Her“ auf meinen Smartphone gucke, als mich in diese pulsierende Stadt zu stürzen und wie ein Idiot am Rand jeder Veranstaltung zu sitzen, wäre ich wahrscheinlich trotzdem zur Buchmesse gefahren.

Sonst wären mir so viele Dinge entgangen, über die noch schreiben kann, wenn ich endlich wieder Boden unter Füßen habe und mich nicht mehr so fühle wie ein – ach, jetzt endet der erste Eindruck von der Buchmesse doch wieder so melancholisch.

Veranstaltung

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