iESC 2018

Die Fahrerwechsel sind, sobald die Fahrzeuge auf der Rennstrecke sind, das interessanteste an der 24h Solar Car Challenge, denn dann passiert das meiste, haue ich meine Notizen vom Rennen in die Laptop-Tastatur, während die Küchencrew die Pizzas für heute Abend vorbereitet und ein paar Freiwillige schon mal das Besteck mit einem Auto rüberfahren.

Ich hatte mir zwar geschworen keinen Gonzo-Journalismus zu betreiben, also nicht irgendwo schön abseits, vielleicht in einer Badewanne zu hocken und von da zu berichten, sondern wollte mich ins Getümmel stürzen; nicht so wie dieser eine Fotograf, der wegen des Regens nicht rausgehen wollte und im Aufenthaltsraum der Rennstrecke saß, mich nach irgendwelchen interessanten Storys aus den Pitboxen ausgefragt hat und währenddessen für jeden Wagen seines Teams ans Fenster gesprungen ist, um wenigstens ein paar schöne Fotos schießen zu können.

Die Tribüne hatte sich schon nach zwei Stunden ausgedünnt, einige Mechaniker des Aachener Teams machten schon Beschäftigungstherapie, jedenfalls witzelten sie das, während ich sie beim Noppen von den Reifen schneiden erwischt hatte und nachfragte, was sie da machen würden. Aber wenn es irgendeine Strategie sein sollte, die sie im Vergleich zu anderen Teams besser dastehen lassen sollte; tja, da kann ich mir bessere Wege vorstellen, als diese kleinen Noppen von den Regenreifen zu machen – also vielleicht war es wirklich eine Beschäftigungstherapie.

Leider konnte ich den anderen Teams auch keine ihrer Strategien durch dumme Fragen entlocken und da ich meinen Volonteer-Kollegen nur im Weg rumstand, bin ich drei Stunden nach dem Start zurück zum Camping-Platz, auch um in diesem Tsunami nach meinen Sachen im Zelt zu sehen und diese verdammte Story zu schreiben.

Zu der Zeit stand noch immer mindestens ein Solar-Car in der Box, weil die Gefahr bestand, dass das Wasser, was sich im Auto gesammelt hatte, mit der freiliegenden Elektronik einen Kurzschluss verursachen könnte – Sicherheit geht schließlich vor.

Die Camping-Kochstelle füllt sich und Leute tragen Dinge rein oder raus und drei Typen vom Solar-Car Bochum sitzen mir mit belgischem, torfigem Bier wie die Hühner auf der Stange gegenüber und schauen irgendeine beschissene Serie mit einem Pferd oder quatschen die meiste Zeit über ihre Jobs, vertreiben sich also auch die Zeit.

Einer meiner Volonteer-Kollegen kommt mit neuen Nachrichten vom Race-Track rein, ein Wagen sei aus dem Rennen, ich weiß schon nicht mehr warum, als er seine Story zu Ende erzählt hat, die Küchencrew gönnt sich ihre erste Zigarettenpause seit 17 Stunden, wie sich herausstellt lebt/arbeitet die Küchenfrau, wenn sie nicht gerade hier arbeitet, hauptsächlich auf einem Bauernhof, der irgendwann mal als Gemeinschaftsprojekt mit Freunden angefangen hatte, sonst studiere sie noch immer, vernachlässige dies aber immer mehr und arbeite nebenbei halbtags als Behindertenbegleiterin und wurde in letzter Minute für die Verpflegung der Volonteers rekrutiert.

Auf Nachfrage erklärt sie, dass der Bauernhof, den sie mit fünf oder sechs Anderen betreibt, laut Meinung vieler Besucher mit dem Kliemannsland zu vergleichen sei und darunter kann sich wohl jeder Deutsche was vorstellen.

Der Fahrerwechsel ist für jedes Team übrigens alle zwei Stunden in fünfzehn Minuten Slots möglich; d.h. natürlich gab es bei den ersten Fahrerwechseln riesiges Chaos, dass sich die Volonteers schon in Aufregung zu mir umgedreht haben und mich fragten, ob ich mithelfen könne den Fahrerwechsel zu observieren oder die Gewichte der Fahrer aufzuschreiben – was in dem Moment ungefähr so effektiv gewesen wäre, als würdest du einen Hund fragen, ob er eben zur Haustür gehen könne und den Besuch reinlassen würde – ich war einfach nur noch fix und fertig – apropos Hund, einer der Teamhunde lief irgendwann mit Warnweste in der Box herum, was total niedlich war.

Aber fangen wir doch von vorne an: Alles war dunkel und leer. Und sprach Gott: Es soll hell werden. Da wurde es hell. Gott freute sich über das Licht – oder ist das zu weit? Naja, also Licht, also natürliches Licht, also die Sonne als natürliche Lichtquelle braucht man ja in gewisser Weise für Solar-Cars; aber ich glaube, dieser Analogie-Witz ist jetzt genug ausgereizt.

Da mein Abenteuer eine Woche vor dem Start (1) begann, könnte ich euch jetzt erzählen, was mit mir passiert ist oder aber ich berichte von der Vorbereitung des Rennens (2), weil ich da auch mitmachen durfte oder ich fange schlicht und einfach beim Start an (3).

Warum machen wir es nicht einfach so, dass ihr euch das selber aussuchen könnt. Ich beschrifte einfach die jeweiligen Abschnitte mit (1), (2) und (3) und ihr könnt euch aussuchen, welche Teile ihr lesen wollt oder welche ihr zuerst lesen wollt. – – Die Idee hatte ich übrigens, weil ich gerade in meinen Unterlagen einen Flyer über die Dragon Days gefunden hatte, eine interaktive Storytelling-Ausschreibung nach der Idee von diesen Büchern aus den 1980ern, in denen Leser am Ende jedes Abschnittes entscheiden konnten, wie die Geschichte weiter gehen soll.

Nur noch so am Rande: Den Sub-Plot mit den zwei Flirts lass ich mal weg, das wäre dann doch zu viel Verwirrung. – – Nur so viel, sie sind zusammen zu fassen mit diesem Bob Dylan Song Shelter from the storm, nur halt ohne die negativen Stellen, dass sie irgendwie Mist gebaut hätten; wenn wer Schuld ist, dass aus diesen Flirts nichts weiter geworden ist, dann war ich das, weil ich noch mit meinen Gedanken woanders war, mixed signals gesendet habe – aber vielleicht findet ihr ja einige Hinweise im restlichen Text, viel Spaß beim Suchen.

(3)

Beim Start stehen alle achtzehn, mehrheitlich Universitätsteams mit ihren Solar-Cars in einer Reihe, was natürlich super Fotomotive abgibt und deshalb sind sie alle wie die Verrückten auf die Fahrbahn gelaufen und knien sich hin und all die, die sich nicht an den Streckenposten vorbeidrängeln konnten, lehnen sich über die Reling und versuchen die besten Bilder zu machen. Die Teammitglieder, die Volonteers, die Veranstalter, alle, die nicht irgendwie eine rudimentäre Aufgabe haben den Laden am Laufen zu halten, stehen um die Solar-Cars herum und staunen und für einen Moment kann ich die Begeisterung an Rennsport verstehen – vor allem für die Beteiligten.

Wenn du so lange daraufhin gearbeitet hast, dass sich die verdammte Karre qualifiziert, von den Verantwortlichen abgenommen und durchgewunken wird und sich nun all dein Schweiß und sich deine durchgemachten Nächte endlich auszahlen sollen, indem die Karre nun unter einer von vielen am Startpunkt steht, dann ist es wie der Höhepunkt eines guten Orgasmus – entschuldigt meine vulgäre Sprache, aber ich bin gerade zu faul ein anderes Sprachbild zu finden.

Es war einfach großartig, die Leute auf die Balustraden klettern zu sehen, nur damit sie einen guten Blick auf den Start haben und am eigenen Leib mitzufiebern und dann ging es auf einmal sehr schnell. Nach der Schweigeminute zählte die Ampel den Start an und alle Fahrer sprinteten in die Wagen und nahmen sich gegenseitig die Vorfahrt, drängelten um die Spitze des Feldes, verteilten sich auf der Strecke und drehten ihre ersten Runden; nur blöd, dass es genau zum Start anfing zu regnen.

Nach ein paar Runden fuhren die ersten Teams schon in die Boxen und machten einen Reifenwechsel; sie wechselten auf Regenreifen und da bei den meisten Autos die Motoren in den Reifen hingen, konnten sie keinen einfachen Reifenwechsel machen wie man sie beim F1-Rennen kennt, sondern mussten die Luft aus den Reifen lassen und den Mantel abziehen – es ist wirklich eine spannende Sache gewesen, während sich ein paar Besucher ohne Warnweste in den Boxenbereich geschlichen hatten und sich in Gefahr brachten, standen ein paar Kinder für ein Schulprojekt am Straßenrand und machten kleine Videoaufnahmen und spielten Reporter.

Ich bin oben in der Race-Control und nicht einmal in ihrer Kaffeepause kommen die Verantwortlichen zu Ruhe. Während übers Walkie Talkie ein Funkspruch zum Abschleppen eines liegen gebliebenen Fahrzeugs durchkommt, piepsen die Smartphones und Leute kommen rein und stellen dumme Fragen. Ich komme im Aufenthaltsraum mit einen Mechaniker ins Gespräch: „They are changing the tires in the pitboxes. But not so efficient as the F1-guys.“ Der australische Safety-Inspector mischt sich ein: „Why would they? It is not a race, it is a challenge. It doesn’t care so much, it’s only to test the cars and get to know the technologie.“ Der deutsche Mechaniker widerspricht: „Naja, es ist für die in der Box die einzige Abwechselung. Da strengst du dich dann auch an, jedenfalls war das so bei mir damals. Die waren auch schon mal schneller, echt; da reißt du dann einfach die Verkleidung ab und schmeißt dich dahin; aber irgendwie haben die nachgelassen – da gebe ich dir Recht.“, kritisiert er sein eigenes Team etwas.

(1)

„I want to go to Terlamen. i looked it up at home from my computer and could find it and now i cant find it here at this ticket-thing.“ „That will be 8,50.“ „No, no. I checked it at home, i have to go to this adress.“, zeige ich ihr meine Notiz auf dem Handy: „and i have to go per train and per bus.“ „That will be 15,50. The next train leaves in 2 minutes from track 1. And then you have to take another train and then you are there.“ „15,50? Ok, but i have to take the bus, otherwise i cant go to the thing.“ „Track 1 in 2 minutes, so you have to hurry.“ „Fuck, ok. – – Thanks“, hetze ich zum Gleis und sitze nun schon seit zwei Tagen in europäischen Zügen, mit Zwischenstopp in Amsterdam, um … ja – was hab ich da nur gewollt? Ich weiß es nicht. Ich hab wirklich keine Ahnung, was ich da gemacht habe.

Mit dem Zug von Deutschland, zwei Reihen hinter mir irgendwelche Fans, am Gleis in Deutschland lästerten noch Schüler von wegen irgendwelche Leichen im Keller und in Amsterdam hätte ich nur aus meinem Zug aussteigen und in den nächsten Zug am Gleis gegenüber einsteigen müssen, aber irgendwas sagte mir: Fuck it.

Ich kann das nicht mehr. Ich will das nicht mehr, ich will nicht mehr für anderer Leute Vergnügen schreiben und nichts dafür sehen außer den Verlust meiner Privatsphäre.

Also bin ich einfach so das Gleis entlang, ging die Treppe runter, zog die ganze Zeit mein scheiß Gepäck hinter mir her und stand auf einmal vor einer Schranke, mit der man nur mit Ticket rein- und rauskommt, um den Bahnhof zu verlassen, was auf der einen Seite Sinn macht, aber trotzdem irgendwie totaler Quatsch ist, weil ich eben nicht rauskam.

Zwei Mädels kamen mir entgegen, eine meinte nur: „Where are you going? Don’t you want to go to Brüssel?“, was die andere nur mit: „I thought so.“, beantwortet, aber irgendwer befreite mich schließlich von der Schranke, ich war so kurz davor einfach mein Gepäck drüber zu werfen und selbst drüberzuspringen, aber dann hat er mich, indem er mit seinem Ticket voraus durch die Schranke ist, aus dieser scheiß Situation befreit und ich bin hinter ihm her, natürlich nicht, ohne mit meinem Gepäck hängen zu bleiben. Draußen stand ich dann endlich in der Freiheit – at least i thought so. Der nächstbeste Taxifahrer meinte noch auf meine Frage, ob er mich zum nächstbesten Hotel in der Innenstadt bringen kann: „Ähm, we have this big event this week. All our Hotels are booked. It would be better for you, when you are not staying here, you know?“

Ich dachte mir nur: Dont tell me what the fuck is better for me – only i know what is best for me and often i just don’t care, so now i care and will take action, for christ sake i can’t play this stupid role of a good citizin anymore, who stands up at six o’clock and works the whole day and can’t have to much fun, cause the next day the stupid job is calling again, when the whole country, the whole continent, perhaps even the whole universe is waiting for new storys of me.

Also zum nächstbesten Bahnmitarbeiter, der mir zum Glück weiterhelfen konnte und mir den Weg zur nächsten Touristenbörse gezeigt hat.

„So one nice trainguy told me that you could help me find a hotel room. Or a hostel for the night – but i need to pay in cash.“ „So you need a hotelroom for one night? I can look for one of our hotelrooms for you, but i would not recommand that. Personally i stay at blabla and i never had a bad experience – but, ähm, are you ok or should we call a medic?“, schaut sie mich besorgt an und es ist ihr nicht zu verübeln, sie sieht einen Kerl schwitzen und zwar unheimlich stark schwitzen, so schwitzen, wie wenn man zwei Tage, drei Wochen und zwei Jahrzehnte zu viel getrunken hätte und jetzt zum ersten Mal seit langem wieder unterwegs ist.

„I just drank to much yesterday.“, sagte ich und damit beließ sie es. Sie ruft für mich in einem Hotel an, da ich ihr gesagt habe, der Preis spielt keine Rolle – ich habe mein Erspartes nicht für ungefähr zusammengespart – und dann fragt sie, ob ich eine Kreditkarte habe. Ich verneine, sie fragt nach meinem Namen. Ich stutze und schreibe es auf, sie erklärt mir später, dass sie den Namen für Versicherungszwecke brauchen, falls was kaputt geht und ich denke mir nur, ich hab noch nie absichtlich ein Hotelzimmer zerlegt; aber schön, dass sie das von mir denkt – nachdem ich ihr meinen Namen aufgeschrieben hatte, war sie merklich anders und mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt in Deutschland anders behandelt zu werden, bei einigen Schnappatmung auszulösen, bei anderen pure Verwirrung; aber auch in Amsterdam?

„Should we really not call someone? Do you need medical help?“, weil ich nicht aufhörte zu schwitzen. „No, i just had a little hassle this morning. I only need a cold shower and a quiet room.“ „Oh, ok.“, sagte sie entschuldigend und schaute mitleidig – keine Ahnung, warum ich das alles aufschreibe, ob sich das je jemand durchliest und ob es überhaupt interessant ist, weiß ich auch nicht; aber was soll’s, weiter geht’s.

„It’s getting hot today.“, versucht sie sich an Smalltalk. „Yeah, i know. – – I hate it.“, platzt es mir nur raus. „Oh, yeah – me too.“, lacht sie fast und: „Look, and if you are at this hostel, remember. Take this room, not this one – you don’t want to be screwed over, don’t you?“, fragt sie und ich stutze. „So, should i write it down for you? Should i write the adress of the hostel down for you? Please let me help you.“ „The hotel is that way, you say? Just over the bridge, behind the church?“ „Yeah, yes. Please, can i really not help you?“, schaut sie mich wieder an und was soll ich sagen. Nein, kannst du nicht. Ich habe schon vorher ungerne fremde Hilfe angenommen und jetzt erst Recht nicht mehr. Ich bin ein anderer Mensch geworden, ich habe mich verändert und vielleicht ist das gut so. Ich musste es wohl erst auf die schmerzhafte Weise lernen, man kann sich auf niemanden mehr verlassen. Ich frage nicht mehr um Hilfe. Ich verlasse mich nicht mehr auf andere Menschen, ich kann mich nur noch auf mich selbst verlassen und vielleicht konnte sie meine Gedanken lesen, denn sie schaute nur noch mitleidiger.

Es wäre ja auch unmenschlich, wenn mich diese Erfahrung nicht verändert hätte, after all, i am only human – so heißt es doch in diesem beschissenen Pop-Song. Diese ganze Sache hat mich fast zerstört, dass ich mich von null wieder aufbauen musste; aber das traurige an der ganzen Sache ist wahrscheinlich, ich musste mich schon so oft wieder von null aufbauen, dass ich mittlerweile für solche Fälle einen Bauplan parat habe, um mich wieder zusammenbauen zu können.

„Can i really not help you?“, legt sie ihren Kopf schief und schaut mich nochmal an, als wolle sie mich ganz lange in den Arm nehmen – fuck, … nein. „Yes, if it makes you happy, write it down.“ „So, just go over the bridge and then behind the church there is the hostel.“, händigt sie mir den Zettel aus und ich gehe mit einem streifen Papier und einer groben Wegbeschreibung los, vorher noch eben aufs Klo, um das durchgeschwitzte T-Shirt auszuziehen, um ein neues T-Shirt durchschwitzen zu können und laufe an Pärchen vorbei, versuche ihren Kameras aus dem Weg zu gehen und stecke mir zwischendurch etwas genervt eine Zigarette an – die neue Packung, die ich für den Trip hierher gekauft hatte, ist am Bahnhof in Deutschland nach dem irgendwelche Leichen im Keller-Zitat schon ziemlich geschrumpft.

Hinter der Kirche, sagte sie, aber da fangen die Coffee-Shops und Bordelle an, ich finde das Hostel, dass sie mir empfohlen hat, nicht auf Anhieb und werde stattdessen durch Amsterdam gelotst, frage hier und frage da und stolpere durch die schicken Gassen von Amsterdam, gebe schließlich auf und checke in das nächstbeste Hotel ein, room for one for one night please. Der Typ an der Info erklärt mir die Hausgegebenheiten, erklärt mir, dass die Zimmer ein eigenes Bad haben, Fernseher auf dem Zimmer, die Fernbedienung aber 10 Euro extra kostet, für Ventilatoren muss man extra zahlen und den Schlüssel muss man jedes Mal, wenn rausgeht an der Information wieder abgeben, sie haben W-LAN und einen Aufenthaltsraum und ansonsten wünscht er mir einen angenehmen Aufenthalt.

Aber auch das ist alles uninteressant – ich stecke mir den ersten Joint an, dusche, ziehe mich um und erkunde Amsterdam.

Aber eigentlich hat mein Abenteuer noch früher angefangen, mit einem Streit mit meiner Mutter.

„Du hast fünf Jahre Studium vor die Wand gefahren; es ist nicht meine Schuld, dass du da nichts draus gemacht hast! Da hättest du ja studieren können! Was für deine Zukunft tun können; hast du aber nicht. Und jetzt machst du wieder nichts!“ „Ich versuche alles; aber wenn man mir ständig Steine in den Weg legt, kann ich da auch nichts für; gottverdammt nochmal!“, dreh ich mich wütend um und knalle die Tür, höre sie noch „Wir leben nicht in Amerika!“ brüllen und muss tief durchatmen.

„Ich kann nicht mehr weiter machen, ich weiß nicht mehr weiter. Ich würde am liebsten alles anzünden und mich gleich mit! Was soll der Scheiß?! Wissen die nicht, dass die damit mein Leben zerstört haben? Erst das überwacht werden, dann tut jeder so, als hätte ich mir das nur eingebildet, damit die nichts zu befürchten haben und dann versuche ich hier irgendwie aus meinem verdammten Gefängnis zu fliehen, aber nichts hilft und mir hilft auch niemand! Ich fühle mich im Stich gelassen! Von unserem Rechtsstaat! Von der 4. Instanz und meinen Künstlerkollegen sowieso und überhaupt hasse ich es von allen nur noch angelogen zu werden! Ich hasse es, dass man heutzutage Geld braucht, um frei zu sein. – – Dafür schreibe ich noch, ist das nicht lächerlich! Um endlich frei zu sein und was passiert? Es ist schon fast perfide! Sie spionieren mich aus beim Schreiben und gehen dann hin und sagen, das würden sie doch schon kennen. Dann produzieren irgendwelche Arschlöcher auf meinen Storys neuen content, mit dem sie Geld verdienen. Ha! Fickt euch! Ich kann das nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr daraus heraus schreiben. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich weiß nicht mehr weiter.“, schicke ich Philip und Jan noch vor’m Zugbesteigen in Deutschland eine wütende Nachricht und warte auf keine Antwort, mache das Handy einfach aus.

Ich sitze schließlich in irgendeinem Café in Amsterdam und überhöre zwei Mädchen mit ihren Smartphones: „I could make a snapchat-story that says: Enough weed and mushrooms to take out an army!“ „Oh, imagine what she would think about that?!“ – auf einen schrägen Seitenblick von mir legen sie aber ihre Smartphones zur Seite, unterhalten sich, als wollten sie nur meine Aufmerksamkeit: „I sat down and startet this cartoon-show and really enjoyed it, until this tweet and then i had a panic-attack, because suddenly i had this revelation that it could be about real human beings and i had to leave the room.“ „Oh, i totally understand your problem.“, während ich mir einen nächsten Joint anstecke. „I mean, big companys know what they are doing, right?“, fragt sie noch, wird dann aber von einem Afro-tragenden Typ unterbrochen: „Hey, can i sit with you?“

Sie kommen ins Gespräch, stellt sich raus, die beiden Frauen kommen aus San Francisco und machen hier Urlaub, und bla bla bla; mir reicht’s jetzt – ich hab die Schnauze voll und bin schließlich in mein Hotelzimmer, um noch ein bisschen Schlaf zu kriegen, bevor ich am Morgen den Zug nach Brüssel besteigen muss.

(2)

Wir sind das erste Mal auf dem Weg zum Racetrack, zwei vorne, drei hinten und der Safety-Inspector fragt mich, nachdem er die anderen Gesichter als vertraute Gesichter einordnen konnte und sie vertraute Geschichten ausgetauscht haben: „And you are from australia or why do i know your face so bloody damn well?“ „You what, mate? – No, this is my first solarcar-event.“ „Well, then you have a pretty common face i guess.“ „Or i am pretty famous, but don’t know it yet.“, witzele ich und plötzlich haut der Wagen vor uns in die Eisen, dass alle mit einem Ruck in ihre Sicherheitsgurte gestoßen werden, wir fahren wieder an und überholen ihn.

„Hat der jetzt einfach ohne Grund angehalten?“, fragt Excalibur und zeigt dem Transporterfahrer den Vogel, als wir weiterfahren.

„Our task is to check the batteries. Where is your Team-Manager?“, stolpern wir direkt ins Getümmel, das Franzosen-Team entschuldigt sich für einen Moment und ruft ihren Team-Manager herbei. Back at the Camp drucken noch immer die Organisatoren dutzende Dokumente aus, Flyer mit Camp-Regeln und Rennablaufplänen und die Sticker für die Wagen werden geschnitten, ich stand den Leuten da auch nur im Weg rum, it needs focus and patience of the staff – Natascha has to concentrate, Chilltina says with a wink and smiles, in der Küche wird gerade Teig angesetzt, während die letzten Teams ihre Zelte aufbauen und mit den Wagen ankommen, machen Motorradfahrer zwischen den Bäumen ihre Gelände-Test-Runden und verbreiten angenehmes Hintergrundsummen am Campingplatz.

Hier an der Rennstrecke stehen einige Solar-Cars ohne Solar-Zellen-Deckel herum und werden auf Herz und Nieren getestet, woanders steigen gerade Leute ein. „Hast du Funk?“, „Keine Ahnung, ob die an ist?“, „Der Headset-Stecker steckt nicht?! Warte, ich mach das eben.“, reden alle vom Aachen-Team durcheinander.

Einige Fahrzeuginnenräume sehen aus wie Flugzeug-Cockpits mit Knöpfen und Schaltern, nicht mal ein Gaspedal, nur ein Knopf, den man drücken muss und andere haben ein richtiges Auto-Amaturenbrett; das sind dann wohl die sogenannten Cruiser und Challenger-Klassen.

Am Campground überhöre ich noch zwei Team-Mitglieder lästern/scherzen: „Ich weiß bei den meisten Teams immer noch nicht den Unterschied zwischen der Cruiser und der Challenger-Klasse, vor allem, wenn ich mir die Inder angucke.“, „Ja, ob die mit ihrem Baukasten rechtzeitig fertig werden, müssen wir dann mal schauen.“, „Die Inder sind wohl unsere neuen Kolumbianer.“, auf eine meiner Fragen, was denn mit den Kolumbianern war, erzählen sie, dass die Kolumbianer das letzte Mal vor zwei Jahren mit einem Solar-Car-Bausatz ankamen und sogar noch die Batterie und die Solarzellen zusammen bauen mussten und alleine für die Solarzellen und die Batterie hätten andere Teams Wochen gebraucht, die hätten das einfach unterschätzt und am Ende hätten alle mitgeholfen, sodass sie es dann doch noch geschafft haben wenigstens eine Runde mitzufahren, dann wurden sie abgeschleppt, aber sie waren die Sieges des Herzens.

„Der Vorteil bei der Challenger-Klasse liegt klar auf der Hand, finde ich. Sie sind windschnittiger und auf lange Sicht für weite Strecken praktikabler, weil du während der Fahrt so viel daran optimieren kannst.“, überhöre ich Excalibur mit einem Anderen fachsimpeln.

Ich frage den australischen Safety-Guy, warum Plastikfolie auf den meisten Solarzellen-Dächern liegen und festgetapt sind und er erklärt mir, dass die Solarzellen ein richtiger Staubfang sind. Du kannst ihnen sekündlich dabei zusehen, wie sie zustauben und Staub ansetzen und stell dir mal vor, was das für die Solarzellen bedeutet, wenn sich der ganze Dreck, der hier so rumschwebt, auf den Solarzellen absetzt und beobachte währenddessen das Aachen-Team im Hintergrund, wie es die Felgendinger wieder anbauen und dafür unters Auto kriechen und einen Haufen Ducktape benutzen, um das Scrutineering zu beenden.

Drei Solarcars sind schon bereit für den Blicktest und parken etwas abseits, d.h. es stellen sich gleich in einem bestimmten Radius ein paar Menschen hinter das Auto und die Fahrer müssen entweder mit Spiegeln in der Lage sein die Menschen im bestimmten Radius zu sehen oder eben mit eingebauten Kameras, währenddessen rennt mindestens ein Teammitglied immer mit einer Go-Pro durch die Gegend und macht Aufnahmen von dem Spektakel, die wahrscheinlich sowieso niemand außerhalb der Community sehen wird – weitere deutsche Autos fahren vor und nun wird auch noch das Abschleppding überprüft, während Excalibur sich mit einem der deutschen Motoren-Experten darüber unterhält, dass kein amerikanisches Team seit 2003 eines dieser Challenges gewonnen hat, sie haben wohl mal was in petto gehabt, aber seitdem denken die halt, die wären die Könige der Welt und könnten sich alles erlauben, dabei checken die nicht, das sich die Welt weiterentwickelt hat.

Der deutsche Motoren-Experte ist so ein Barfuß-Alt-68iger, der, laut seinen Aussagen, die besten Motoren für Solar-Cars baut. Das hätte damit angefangen, dass er damals mal einen Motor gebaut hat, den sie nicht verwenden wollten und hinterher haben sie sich geärgert, weil sie halt gemerkt haben, dass er deutlich besser war als alles, was bisher verwendet wurde und jetzt würden fast alle deutschen Teams, ein paar Ausländische und selbst die Türken hätten Interesse an seinen Motoren geäußert und würden auf lange Sicht mit seinen Motoren fahren. Also sei es egal, wer in diesem Turnier gewinnen wird, er ist eigentlich schon der Gewinner. Irgendwann schafft er es auch mal die ersten 10 Plätze einer Solar-Car-Challenge zu besetzen, witzelete er und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den ganzen Mist zu verdrängen und mich diese Woche voll und ganz auf die Autos zu konzentrieren, aber irgendwie irgendwo war ich schon stinkig wegen dieser ganzen Scheiße, die zu Hause auf mich wartet – so eine Einstellung kann man auch nur haben, wenn man für seine Arbeit bezahlt wird, denke ich nur noch und lass den Alt-68iger stehen; auch wenn er für diese Situation nichts kann, bin ich doch stinkig ohne Ende.

In der Ferne brüllen die Motoren der gewöhnlichen Race-Cars, die noch die ganze Zeit die Rennstrecke belagern und als Hintergrund-Geräusch existieren und nach ein paar Stunden schon so omnipräsent als Krach sind, dass es seltsam ist es mal für fünf Minuten nicht zu hören, wenn zum Beispiel Mittagsruhe ist oder sich einer der Fahrer in der Kurve verschaltet und in den Sand schlittert und seinen teuren Wagen zu Schrott fährt.

Irgendwann zwischendurch hält jedes Team noch ihre Präsentationen, davon bekomm ich leider nur die vom Solar Team Twente mit ihrer Flying Red Challenge mit. Bei der Flying Red Challenge geht es darum Grundschulkindern die Möglichkeit zu bieten mit Solarflugzeugen herumzuspielen und so in eine bessere Zukunft zu investieren. Die Präsentation vom Team Futuro Solare, die wohl die kostengünstigste Variante für Solarzellen verarbeitet haben, war dann auch schon die letzte Präsentation, die ich mir geben konnte, bevor ich fast einschlief.

Draußen unterhielten sich wieder irgendwelche Spezialisten über ältere Solar-Car-Challenges, aber zum x-ten Mal irgendwelche Geschichten über irgendwelche vorherigen Solar-Car-Challenges zu hören, ergab für mich keinen Sinn mehr; davon hatte ich mittlerweile genug gehört und genau zu dieser Zeit läuft mir ein älterer Mann mit einer Media-Warnweste über den Weg und wir kommen ins Gespräch und irgendwie mache ich einen dummen Spruch, dass man ja nicht nur mit einer Kamera Fotos machen kann, sondern auch mit dem geschriebenen Wort und dann quatschen wir ein bisschen und ich erzähle ihm von meinem Blog und bin etwas eingeschnappt, dass der ihn nicht zu kennen scheint; ja, da werde ich mittlerweile eitel, habe ich gemerkt und deshalb grunze ich ihn die restliche Zeit nur noch an, obwohl er eigentlich ziemlich nett war und meinte, wenn ich irgendwelche Informationen bräuchte, soll ich ihn ruhig fragen – worauf ich nur sowas entgegnet habe wie: „Ich versuch es gar nicht so fachmännisch aufzuziehen – schließlich hat der reguläre Leser auch keine Ahnung von Technik.“

Ich lass mir noch die Adresse von seiner Seite geben und will mich dann etwas zurückziehen und da kommt es mir ganz gelegen, dass ich meinen alten Schulfreund zurück zum Zeltplatz gehen sehe und ich mich anschließen kann.

„Wartet, ich komm mit.“, ruft uns einer aus seinem Team hinterher. Und fast zur gleichen Zeit hält einer von den Volonteers mit seinem Auto neben uns und fragt uns, ob wir nicht mitfahren wollen. „So, haben wir eigentlich schon entschieden, wer nachher fahren darf? Ich hätte nämlich richtig Bock, aber wenn …“, fängt sein Teammitglied im Auto an und dreht sich zu uns auf der Rückbank um. „Ja, ich meine, ich hab das nicht zu entscheiden. Hast du denn mal die Liste gesehen? Wir haben acht oder neun mögliche Fahrer; vielleicht losen wir nachher einfach aus dem Topf von möglichen Fahrerinnen und Fahrern.“, erklärt mein alter Schulfreund und zur gleichen Zeit tritt der Volonteer in die Eisen, nimmt die Kurve und gibt wieder Gas, sodass er nur: „Mein Gott, kann das Auto beschleunigen.“, begeistert auf den Tacho des Elektroautos gucken kann.

Am Camping-Platz haben sie nun schon fließend Wasser mit Spüle, Kochplatte, Herd, Abflussrohr und Strom, Beleuchtung, Boxen, Regale für das Geschirr, Kühlschrank und die Musikanlage aufgebaut und sehe Natascha, Chilltina, Excalibur und die Anderen in liebevollem Umgang miteinander das Abendessen zubereiten.

Es ist wieder soweit, dass ich in das Leben anderer Leute einfalle und ihr Zeugs wichtig finden muss, mich anklinke, so tue, als wäre es für mich interessant, dabei bin ich nur hier, bin ich überall nur aus einem Grund: Für eine gute Geschichte. Das ist alles – und kriege ich hier eine gute Geschichte? Ich weiß es noch nicht, bis jetzt ist es das übliche … Menschen, die mit mir Tricks spielen, um herauszufinden was sie an mir haben und meine Güte, es wird ermüdend. Ich kann sie nicht mehr leiden, diese üblichen Tricks, um den Neuankömmling in der Gruppe zu testen – oder vielleicht sehe nur noch rosarote Elefanten überall, wer weiß das schon.

Sie drücken mir beim Zeltaufbauen einen LED-Strahler in die Hand mit dem Kommentar, brauchst du noch einen Schraubenzieher und

„Komm doch mit.“, hatte er damals in der Kneipe gemeint und: „Du suchst doch immer nach guten Geschichten. Hey – und es gibt Freibier!“ „Du hattest mich schon bei Freibier.“, lachte ich noch in der Kneipe und vielleicht sollte ich aufhören ‚Aufträge‘ anzunehmen, wenn ich sturzbetrunken bin. – – Da ich diese Geschichte dieses Wochenende noch ein paar Mal erzähle, um meinen Existenzgrund auf dieser Schrauber – und Bastlerveranstaltung zu rechtfertigen, erfahre ich von den drei Bochumer Hühnern auf der Stange, dass das immer so geht im Bochumer Solar-Car-Team. Du wirst zum Saufen eingeladen und irgendwann, meistens zum Ende des Abends, erhältst du dann eine ehrenamtliche Aufgabe und kannst gar nicht mehr nein sagen.

Sie laufen wie kleine geschäftige Ameisen um mich herum, decken den Tisch und bereiten den Grill vor und ich schreibe weiter in mein kleines Notizbuch:

Ich frage mich so langsam, was die denken, wann meine Texte entstehen? Ich muss mich halt nach dem zweiten Bier zurückziehen und schreiben. Ich muss mich zurückziehen und schreiben, ich muss nach der Arbeit auf das Bier mit dem Arbeitskollegen verzichten, ich muss darauf verzichten mit der oder der was anzufangen, weil ich eben schreiben muss!

Gott, aber ich hab ganz vergessen, wie es ist einfach mal wieder was mit den Händen zu machen, Sachen anzupacken, Sachen zusammen zu bauen etc. pp. und mit was für einer Leichtigkeit die das machen, die sehen ein Problem und gehen das dann einfach an. Das ist super!“, notiere ich mir und schreibe jede kleine Seite des Notizbuches voll, während die anderen um das Lagerfeuer herum sitzen.

„Ein Salatkopf sieht sonst immer nach so viel aus, aber für so viele ist das dann vielleicht doch zu wenig.“, unterbricht mich die Lagermutti. „Ach, das wird schon reichen. Ansonsten kannst du jederzeit noch einmal einkaufen fahren und für die anderen Tage was neues mitbringen.“, gehe ich gar nicht auf ihre Stichelei ein. „Oh, wie ich sehe, habt ihr auch einen Staubsauger?!“, unterbricht nun einer der Organisatoren unsere Unterhaltung, sodass sie nur entschuldigend meint: „Nein, nein. Da war Brot drin. – – Aber stell dir mal vor, wir würden hier staubsaugen.“, zeigt sie mit einer ausholenden Bewegung auf den Campingplatz und den aufgewühlten Staubrasen, dass wir lachen. „Und dann stehst du da mit ’ner Kippe im Mundwinkel und …“, „Und dann fluch ich die ganze Zeit, was für ein Mist das doch alles ist, wo der Dreck nur immer wieder herkommt.“, lachen beide. „Oh, wie ich sehe, haben die den Wasserhahn und den Abfluss nochmal aufgewertet! Dass sind die Ingenieure! Sehen ein Problem, finden eine Lösung, verbessern diese immer wieder und wieder und bringen es so auf ein noch besseres Level und noch besser und noch besser.“, haut mir der Typ vom Orga-Team freundschaftlich auf die Schulter und winkt mich zum Lagerfeuer.

Am Lagerfeuer sitzen ein paar Leute beisammen und erzählen sich ein paar Geschichten über die letzten Solarcar-Challenges und irgendwer meint auf einmal, dass Arthur doch mal sein Didgeridoo rausholen könne und er läuft einfach zu uns ins Zelt und holt das übriggebliebene Baumarkt-Abflussrohr und fängt an darauf zu spielen, sodass wir uns begeistert dazu setzen, natürlich stellen die Neulinge direkt die richtigen Fragen, sodass er erklärt: „Irgendwer muss sich da wohl mal bei der Entwicklung der Abflussrohre Gedanken gemacht haben. Ich hatte mal Bock auf Didgeridoo-Spielen und hab im Internet diese Anleitung zum Baumarkt-Didgeridoo-Spielen gefunden und dann hab ich ein bisschen herumprobiert und festgestellt, dass das so nichts wird und hab mir in der Nähe einen Atemtrainer gesucht, der mir die richtige Atemtechnik zeigen konnte und dann hab ich mir im Anschluss ein Bambus-Didgeridoo besorgt.“

Und schließlich holt die Lagermutti nach dem Essen „ihr Hexenzeug“ und macht den Abend noch romantischer, indem sie kontrolliert Kaffee-Weißer ins Feuer wirft und Funken versprüht. „Aber es ist ein Spiel mit dem Feuer, der Kaffee-Weißer macht zwar schöne Funken, aber entzieht dem Feuer leider auch Sauerstoff. – – Sprichwörtlich ein Spiel mit dem Feuer.“, lachen alle.

Irgendein Fotograf sitzt etwas abseits am Lagerfeuer, ich glaube es ist derselbe, der auch während des Regens später oben in der Race-Control-Area ist und wir kommen ein bisschen ins Gespräch und es stellt sich raus, dass die Hälfte der deutschen Solar-Car-Mitstreiter auch Informatik-Freaks sind und in Hacker-Spaces sind und so kommen wir ins Reden und er hat mal selber ein paar Blogs betreut und sich immer schlecht gefühlt seinen echten Klarnamen unter die Dokumente zu setzen, meint dann noch: „Und irgendwann hat dich ein russischer Hacker auf dem Kieker und macht dich kaputt.“ „Ja, wenn du so argumentierst, kann man ja nur paranoid werden.“, lasse ich ihn dumm sitzen, wollte gerade ins Zelt zurück, da spricht mich die Argentinerin an, die aus Chile kommt und deshalb für mich nur Chilltina heißt: „So you’re happy to be here?“ „I don’t ähm understand.“ „Because i was afraid that the people would be strange. Well i can’t connect this easily with people, so i was a little unsure that it will be good, – but you’re ok?“, frage ich sie. „Oh, oh. Yeah. I mean i was ähm …“, fängt sie an zu husten, weil sich der Wind gedreht hat und den Qualm des Lagerfeuers in unsere Richtung weht, sodass wir fünf Schritte zur Seite machen.

„I was working at a NGO where kids could work with robots back in Argentina, little solarcar robots, which had to pass a track and make a cleaning, so they had to cut some garbage and then throw it away. And after that, we made a little solar challenge for the kids; so i got the connecting to work at the australian solar challenge and there – you know Christine? She mailed me the whole bunch of papers and now a year later i am here.“ „And it is nice to have you here.“ „Oh, you too. Thanks.“, umarmt sie mich aus heiterem Himmel.

„Es ist eine traurige Realisation, dass ich nichts anderes kann, als zu schreiben – und das nicht mal halb so gut wie meine Heldinnen und Helden, die ich lese, um eine Rechtfertigung zu finden für den Mist, den ich hier tue. Schließlich, wenn die es getan haben, müsste es doch auch einen guten Grund gegeben haben, warum sie ihr Leben damit verschwendet haben.“, notiere ich mir im Zelt als letzte Gedanken für die Nacht und rolle mich in den Schlafsack ein.

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