Tagebucheintrag # 231

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr in einer vollen Großraum-Disko steht und der Techno-Bass brummt in eurem Kopf, in dieser Gegend eures Kopfes, die ihr sonst nie beachtet und stellt fest, dass es darin eine gähnende Leere gibt, die sonst nie auffällt und ihr fragt euch auf einmal, ob diese Leere immer da ist oder ob sie erst seit heute existiert und tja, so ungefähr fühle ich mich gerade.

Ich habe einfach keinerlei Ideen für eine neue Geschichte – was fatal werden kann, wenn man sich nur darüber definiert Geschichten zu erzählen, was ich Gott sei Dank nicht tue, aber ich fühle mich besser, wenn ich schreibe. Ansonsten bin ich einfach nicht ausgeglichen.

Ich habe genau drei Bewältigungsstrategien, um in dieser irren Welt nicht um den Verstand zu kommen und mindestens zwei davon sind strafbar oder nicht gerne gesehen; deshalb klammere ich mich ja auch so ans Schreiben und vielleicht habe ich es gerade wieder geschafft keinen Blödsinn zu labern, was irgendwie bemerkenswert wäre aufgrund meiner beschissenen Laune.

Ich hatte zwar schon dutzende Überlegungen die letzten Tage gemacht, um eine Geschichte zu kreieren, die den Überbau für diese Ideen schaffen, aber keine davon war gut genug – ach, was weiß ich. Vielleicht bin ich einfach überarbeitet, obwohl ich das nicht so ganz glauben kann, schließlich war ich schon beschäftigter; aber irgendwie sowas in der Art ist definitiv mit mir passiert. Vielleicht – kennt ihr diese Geschichte von dem Löwen, der einen Dorn in der Pfote hat und eine Maus kommt daher und zieht ihm den Dorn raus und naja, vielleicht habe ich einen Dorn im Herzen und warte noch immer vergebens darauf, dass eine Maus vorbei kommt und diesen Dorn zieht; was natürlich lächerlich ist, ich kann niemanden dafür verantwortlich machen, das Gift aus meinem Herzen zu ziehen, auch wenn andere in erster Linie daran schuld sind, dass es da drin ist.

Hier zum Beispiel eine Idee, die ich nie ganz vollendet habe, aber für (eine interessante Eröffnung) // einen guten Anfang halte:

„Wenn man unweigerlich alle Menschen in seinem Umfeld mit seinen Texten ins Rampenlicht zerrt, – egal, wie sehr man versucht den Alltag darin zu umschreiben – dann sucht man sich irgendwann Menschen, die damit kein Problem haben. Dann sucht man sich wahrscheinlich Menschen, die vielleicht schon im Rampenlicht stehen. Das soll die Prämisse sein.“

Eine andere beruhte auf diesem Gedanken:

„Wisst ihr, dass Carry On My Wayward Son eine ziemlich abgefuckte Botschaft hat? – – Mach so lange weiter, bis du am Ziel bist, dann kannst du dich ausruhen. – – Was ist das nur für eine beschissene Botschaft, um danach zu leben?!“

Und dann saß ich noch letztens im Zug und dachte: „Habe ich es nicht auch mal verdient, die erste Geige bei jemandem zu spielen? Habe ich es nicht verdient, dass sie, wenn sie daran denkt auf dem Sofa zu sitzen und schlechte Serien zu gucken, gemeinsam einkaufen zu gehen, die Wohnung nicht zu verlassen und sich ein ganzes Wochenende von Fast Food zu ernähren und all den kitschigen Scheiß zu machen, den alteingesessene Paare nur noch als drögen Scheiß ansehen, der aber tief romantisch ist, zuerst an mich denkt?“

Und dann noch: „Irgendwann werde ich ein Buch darüber schreiben, dass sich hochintelligente Personen damit schwer tun zu lieben, weil sie eben eine feste Vorstellung haben, wie man sie zu lieben hat und nicht davon abweichen wollen – weil ihre Version eben die Beste sei? – – Da denke ich dann natürlich direkt, dass es dann wohl erstens eine schlechte Version gibt zu lieben und zweitens dass hochintelligente Personen verdammt stur sein müssen, wenn sie so denken.“

Aber was soll ich sagen? Ich bin eben doch nur ein Idiot mit einem Blog, dessen Privatleben zu viel Aufmerksamkeit erfährt.

Tagebuch

Stefan Schürrer View All →

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