Nur zu Besuch

„Ok, du hast jetzt eine Chance von 2 zu 32, dass du diesen Wurf schaffst.“ „Sag mir nie, wie meine Chancen stehen.“, erwidere ich und lasse die Würfel in meiner Hand tanzen: „Komm schon! Papa braucht noch ein paar tote Kobolde!“ „5 kleine Kobolde gingen durchs Dungeon, wollten Abenteuer erleben, dann trafen sie auf Helden und“, fängt Bastian an zu singen, passend zum Lied im Hintergrund.

„Was ist das denn für ein süßes, kleines Feuerzeug? – – Adventure Begins? Mit Einhörnern drauf? Hast du dir das mit Absicht gekauft? Also die Schwulen, die ich kenne, würden für so einem Einhorn-Feuerzeug töten.“, nimmt sich Tiziano mein Feuerzeug und steckt sich die nächste Zigarette an.

„Mh?“, gucke ich nur und töte zwei Kobolde mit meiner Armbrust, beende damit meinen Zug. „Wisst ihr, wir haben letztens D&D gespielt und ich hab mir einen Bären als Charakter ausgesucht und alle Skill-Punkte auf Kraft gepackt, sodass ich einen wandelnden Hau-Drauf-Bär hatte und ich stand dann irgendwann vor einer Truhe und versuchte sie aufzumachen und alle anderen um mich herum haben mich dann angefeuert, dass ich das schon schaffen werde und so und ich hab wohl 5 Dietriche dabei kaputt gemacht.“, fängt er an eine Geschichte zu erzählen und Bastian meint dazu nur: „Warum hast du denn versucht die Kiste aufzumachen und nicht einer der anderen Typen? Dafür gibt es doch die sneaky thief Klasse!“ „Warum hast du nicht einfach die Truhe eingeschlagen? – – Wenn ich D&D richtig verstehe, kannst du doch einfach machen, was du willst und am Ende musst du nur würfeln und gucken, ob du dabei Glück hattest.“, verlange ich mein Feuerzeug zurück.

„Ähm, ja. – – Da hab ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Da kommt man ja in dem Moment auch gar nicht drauf, wenn man vor der Truhe steht. Werd‘ ich beim nächsten Mal versuchen.“, lacht er und so langsam habe ich mich auch mit der Toten Hosen-Playliste angefreundet, die schon lief, als wir vorhin alle nacheinander eintrudelten.

„Ich meine, wir spielen hier ja auch die vereinfachte Version von D&D, die für 10 Jährige – aber so geht doch D&D, oder?“, frage ich Tiziano und geh in die Küche. Um diesem Schicksal zu entfliehen, sollen wir uns redlich bemühen, kommt es aus den Boxen.

„Ich hab letztens übrigens Transpotting mit meiner Freundin gesehen und was soll ich sagen? Kein Wunder, wenn ein Baby in einer Junkie-Bude aufwächst, dass es irgendwann an der Decke klebt.“, brabbelt er jetzt haltlos und ich rufe nur: „Hast du auch schon Transpotting 2 gesehen?“ „Nein, wieso?“ „Finde den Film, obwohl er auf keinem richtigen Buch beruht, sondern auf der Story von drei verschiedenen Büchern konstruiert wurde, ziemlich gut.“, fange ich an zu erzählen.

„Wartet ihr auf Stefan mit dem Schätze verteilen?“, fragt Jan unverfroren in die Runde und fängt einfach an die ersten Schatzkisten aufzumachen. „Dieses beschissene Horn, dass deine Verbündeten ruft – wollt ihr nicht haben, oder? Am besten entfernen wir das ganz aus der Sammlung, bis jetzt habt ihr die Karte ja noch kein einziges Mal richtig benutzt; nur Stefan hat damit im letzten Raum Blödsinn angestellt.“, erklärt er alles, was er tut, sodass ich es aus der Küche höre. „Und mit dieser Karte kannst du ein Monster deiner Wahl mit einem Helden schlagen – warte, mit Einem Helden oder Mit einem Helden?“

„Mir egal. Hauptsache es ist witzig. – – Wer will noch ein Bier? Wann kommt eigentlich die Pizza, die wir bestellt haben?“, rufe ich aus der Küche und komme mit vier Bieren wieder aus der Küche, summe An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit mit, dass Philip mir nur einen skeptischen Blick zuwirft.

„Stefan, du bist schon wieder dran.“, erinnert mich Jan. „Was, warum das denn?“ „Weil wir anderen doch immer noch aussetzen müssen, weil wir in diese Falle gelaufen sind.“, erinnert Bastian und macht mit meinem Feuerzeug die restlichen Biere auf, verteilt sie.

„Ich setze aus.“, drehe ich mir eine Zigarette.

„Was? – – Du kannst doch nicht einfach aussetzen! Wir sind nur deinetwegen in diesen Kerker gelaufen, weil du unbedingt gucken wolltest, was da hinter der Tür auf uns wartet, was drin ist und ich seh gar nicht ein, warum wir jetzt die Scheiße ausbaden sollen!“, wird Philip kurz sauer. „Entspann dich mal. Jochen kann gerade eh nichts machen, außer eben seine Kampfmeditation, um wieder seine Mana-Punkte aufzuladen.“, erklärt Bastian Philip den Move mit meinem Charakter.

„Könnt ihr alle eigentlich nicht lesen oder was? Der Charakter heißt Josua und ihr habt heute wohl schon dreimal den Namen neu erfunden.“, meint Tiziano nur vorsichtig, um wohl das Thema zu wechseln. „Ach, ich find das einfach scheiße. Wir könnten doch schon lange fertig sein, wenn wir nicht auf Stefan hätten warten müssen, weil er das Horn im anderen Raum geblasen hat!“, flucht Philip nochmal und wirft seine Schatzkarten auf den Tisch. „Alter, diese negativen Wipes gehen ja gar nicht.“, versucht Tiziano wieder zu schlichten und wird von Sarah unterbrochen, die mit Salat in der Hand ins Zimmer kommt.

„Hey, ihr seid gewachsen! Habt ihr da jemanden adoptiert? – – Passt schon, ich such mir schon meinen Platz.“, setzt sie sich aufs Sofa zwischen Tiziano, dem Haufen Kuscheltiere und Jan. „Ich glaube, die Kuscheltiere sitzen wohl schon ein halbes Jahr lang hier auf der Couch. Nur weil du die vorher noch nie getroffen hast, sind die nicht unbedingt neu.“, meint Jan nur und deckt die nächste Schatzkarte auf.

„Das Schwert ist doch super!“, „Die Werte sind vielversprechend!“, „Ok, ok. – – Wir sind uns also alle einig, wir behalten das Schwert; aber wer will es mitnehmen? Ich meine, wir sind doch schon ziemlich gut ausgerüstet, oder?“, unterbreche ich die anbahnende Diskussion und Philip fragt Sarah nur: „Wolltest du eigentlich auch Pizza? – – Wir haben vorhin einfach Pizza ohne dich bestellt; ich hoffe, das ist ok.“ „Ne, passt schon. Ich wollte ja eh gleich noch gegen das Ertrinken im Mittelmeer protestieren.“, meint sie nur, woraufhin jeder einen dummen Spruch bringt und der Beste ist von Bastian: „Ich weiß nicht, ob du das Mittelmeer überreden kannst, damit aufzuhören.“, dass wir mal wieder lachen und sich Sarah fast am Essen verschluckt.

„Du hattest mich ja mal bezüglich Internet-Sicherheit gefragt.“, spricht mich Sarah direkt an. „Ja?“, bin ich gerade selber etwas verunsichert. „Ja, und ich kann dir nur raten, benutz doch einfach eine VPN-Verschlüsselung. Damit sollte deine IP-Adresse keine Daten mehr über deinen Standort preisgeben und wie du Webseiten sicherer machst, dass weiß ich bei aller Liebe nicht; bin ja keine Web-Designerin.“

„Mh, danke. Werde ich dann mal ausprobieren.“ „Aber bitte mach nicht wieder irgendwelche verrückten Tests, dass geht nur wieder nach hinten los!“, wirft Jan nur in die Diskussion ein und fängt an, die Monster für den nächsten Zug zu bewegen und ein bisschen bereue ich es ja, Tiziano den Film Transpotting 2 vorgeschlagen zu haben, denn mit seinen einundzwanzig Jahren hätte er es verdient noch ein bisschen der Narration des ersten Films nachzueifern, auf wilde Partys zu gehen und unverblümt Spaß zu haben – wenn ich eine Guck-Empfehlung raushauen sollte, dann würde ich sagen: Wartet mit Transpotting 2 auf den Moment, wo ihr euch nach Jahren wieder mit alten Freunden treffen wollt.

„Es geht hier jetzt um das Herz. Die Dauerausstellung ist im Museum in Berlin, wir sehen nur einen kleinen Teil der Ausstellung – als Wanderausstellung – und hier zeigen die jetzt das Herz und den Kreislauf.“, erklärt uns Bastians Freundin im Zug auf dem Weg zur Ausstellung am nächsten Morgen, sodass ich nur irgendwas dummes sage wie: „Ha, wieder was gelernt!“

Und wir reden noch ein bisschen über die Körperwelten-Ausstellung, bis dann beide weitermachen mit dem, was sie als Zeitvertreib im Zug angefangen haben, sodass ich wieder ohne schlechtes Gewissen schreiben könnte.

Kurzgeschichte

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