I AM NOT YOUR NEGRO

Ich bin in einer seltsamen Stimmung und eigentlich wollte ich warten, bis ich bei der Gefühlslotterie eine andere Stimmung gezogen habe, um zu schreiben, weil ich nicht schon wieder mein Seelenleid in der Öffentlichkeit austragen wollte – das hat doch was von sein Auto waschen auf dem Bürgersteig vor dem Haus, denke ich in letzter Zeit immer wieder und scheue mich dann immer davor offen und ehrlich mit euch zu sein; aber vielleicht – by god – wenn ich auch nur einem von euch damit helfen kann, sollte ich alles geben.

Aber noch eben was anderes, bevor ich zum Pudels Kern komme. Mir ist in letzter Zeit etwas aufgefallen; etwas, woran ich immer noch zu kacken habe wie so ein scheiß kaputter Nussknacker, der drei oder vier Anläufe braucht, um zum leckeren Kern der Nuss zu gelangen.

Immer, wenn ich politische Themen auf meinem Blog verarbeite, leidet meine Verspieltheit und das ist jetzt kein Vorwurf, keine Rechtfertigung oder einer von diesem Blogeinträgen, in denen ich meine Schwächen aufliste und dann verspreche mich zu bessern; es ist einfach etwas, das mir aufgefallen ist – wie das alles zusammengehört, werdet ihr hoffentlich gleich bemerken; ich hab nämlich noch keine Ahnung, was ich hier veranstalte und schreibe einfach mal drauf los.

Letztens hatte ich mit Philip ein Gespräch darüber, was dieser flüchtige Ruhm für Verantwortung mit sich bringt, dass es mich jetzt zweimal mehr innehalten lässt, bevor ich wieder einen Tweet oder Text online stelle, weil ich mir um die Auswirkungen Sorgen mache.

Zum Beispiel habe ich vor ein paar Tagen einen Text geschrieben, den ich nicht online gestellt habe, indem ich eine Fachkonferenz über Ambulante Traumatherapie für behinderte Menschen zerrissen habe; nicht nur weil der Referent in meinen Augen Inkompetent war, sondern weil ich mir inmitten der anwesenden Ärzte und Spezialisten vorkam wie in der Grundschule, wenn der Lehrer eine Geschichte vorlas und dein Name darin vorkam und sich alle Kinder deshalb automatisch zu dir umdrehten – und das war einfach nicht fair, deshalb habe ich den Text letzten Endes nicht veröffentlicht.

Zwar hat der Redner einmal so Sachen in seiner Power-Point Präsentation gehabt, dass man niemandem seine Behinderung ansehen würde, dass man deshalb nicht zu schnell irgendwelche Schlüsse ziehen sollte, um dann seine privaten Beobachtungen mit den Hörerinnen und Hörern zu teilen, dass er in der Öffentlichkeit bestimmten Menschen an ihrem Verhalten das behindert sein ansehen würde; aber er hat auch ein paar interessante Dinge gesagt, sonst hätte ich die Veranstaltung wahrscheinlich noch früher verlassen.

Solange ich aber auf Veranstaltungen hinter meinem Rücken so Sachen höre wie: „Inklusion ist keine Einbahnstraße! Man muss sich schon anstrengen, um Teil der Gruppe zu sein!“, ist leider noch niemand gleichberechtigt.

Ich könnte diese Szene noch ausführen und im Detail beschreiben, nach dem Motto: Jedem Anderen hättet ihr sein Außenseitertum als seltsames Verhalten akzeptiert, wärt vielleicht irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass er euer dummes Gelaber in dem Moment einfach nicht hören will – aber ich will nicht als der zweite Maxim Biller in die Geschichte eingehen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was mich so sehr an diesen zwei Szenarien so entsetzlich verletzt hat und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich schlicht und einfach dachte, ich wäre einer unter Gleichen. Stattdessen war ich für einige wohl jemand, auf den man besonders eingehen musste, den man anders behandeln musste und das hat mir einen tiefen Schlag versetzt, von dem ich mich ehrlich gesagt nur langsam wieder erhole.

Ich äußere mich nicht oft über dieses Thema, über meine eigene körperliche Beeinträchtigung, weil ich nicht auf diese Sache reduziert werden willkein Sprecher für diese Sache werden will, auch weil ich andere Leute dafür begabter finde, aber vielleicht ist es an der Zeit, meine Reichweite zu nutzen und euch auf diese Sachen einmal hinzuweisen.

Natürlich läuft heutzutage schon viel richtig, aber diese wenigen Momente zeigen mir leider doch immer wieder, wie viel noch gemacht werden muss.

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