You and me against the world

„Was schreibst du denn da?“, reißt sie mich aus meinen Gedanken, lehnt sich rüber, drückt ihre nackten Brüste an meinen Rücken. „Nichts besonderes.“ „Lass doch mal sehen.“ „Warum?“ „Weil ich nicht will, dass du über uns schreibst.“, nimmt sie schließlich mein Notizbuch, ohne dass ich mich groß beschwere.

Ich bin schon lange nicht mehr verwöhnt worden. – Ick nichts verstehen. – Ja, ich auch nicht, ich auch nicht; wunderschöne Fremde.“, liest sie laut vor, macht beide Stimmen und verdreht dabei so laut die Augen, dass ich nicht anders kann als zu lachen.

„Dachtest du wirklich, ich schreibe über uns?“ „Keine Ahnung. Bei dir bin ich mir mittlerweile nicht mehr so sicher.“ „Ach, komm. Wir stehen schon genug im Rampenlicht, du hast doch selbst gesagt, dass jeder schon eine Meinung über unsere Beziehung hatte, als sie noch nicht mal angefangen hatte.“ „Ja, genau. – – Ich dachte, du magst diese öffentliche Aufmerksamkeit nicht?“, wandert ihr Finger über meine Brust; das Notizbuch hat sie ans Fußende des Bettes geworfen, wahrscheinlich damit ich mich wieder um sie kümmere.

„Erst wusste ich nicht, ob du mit mir ausgehen willst. – – Vor allem bei diesen Temperaturen, da komm ich mir immer so vor wie gekaufte Erdbeeren aus dem Supermarkt, auf die man sich richtig freut, die man voller Vorfreude mit nach Hause nimmt. Zu Hause angekommen, schwitzt man Erdbeersaft aus, hat überall Druckstellen und steht in seinem eigenen Saft, dass sie gar nicht mehr appetitlich aussehen und du die Hälfte wegschneiden musst. – – Du bist ganz anders, als in deinen Geschichten. Man kriegt durch deine Geschichten einen ganz anderen Eindruck von dir. – – Ich meine, …“ „Wie meinst du das?“, unterbreche ich sie und ihren nervösen Gesprächsfluss.

„In letzter Zeit kommt es mir so vor, als seist du eine Art byronic hero, emotional bankrott und jetzt auch noch moralisch ausgelaugt, am Rand des Zusammenbruchs. – – Es ist einfach schön dich lächeln zu sehen.“, streckt sie sich und tritt nach der Decke, die an unseren Beinen klebt. „Ja, manchmal frage ich mich ehrlich gesagt immer noch, warum ich mir das alles antue.“

„No matter how you feeling todaaaay the sun is gonna shine on you again my frieeend. the sun is gonna shine the sun is gonna shine the sun is gonna come out and shine…“, singt sie auf einmal und kuschelt sich an mich, kitzelt mich. „Das ist aus Gary and his Demons, stimmt’s?“, gehe ich auf Abstand und meine nur: „Guck, ich …“ „Ich weiß, du hast dir was anderes vorgestellt.“, fängt sie wieder an. „Ich habe mir gar nichts vorgestellt, als die Sache mit uns angefangen hat.“, korrigiere ich sie. „Du träumst nicht nur in deinen Geschichten, sondern auch in deinem Leben und das ist ok; aber bitte träum nicht mehr von mir.“, streicht sie mir mit ihrer flachen Hand über die Wange, dass es ein Neuronenfeuerwerk auslöst. „Und das hast du aus Rückkehr nach Montauk.“, bin ich schon ein bisschen traurig über ihre Einfallslosigkeit, aber was soll ich sagen, so einfallslos wird es wohl einfach, wenn ich nur die ganze Zeit in meinem heißen Zimmer sitze und mit mir selbst rede.

Hätte ich jetzt ein Publikum zu unterhalten, würde ich sowas sagen wie: Tut mir leid, dass ich eure Zeit verschwendet habe mit dieser kleinen Szene – mehr kriege ich in meinem Urlaub nicht zustande.

Kurzgeschichte

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