Der Indiana Jones-Filmeabend

„Ich finde den ersten Indiana Jones-Film immer noch am besten – wo er zu der einen in die Bar kommt“ „Ist die nicht am Arsch der Welt?“ „Nicht am Arsch der Welt, in Alaska, und die Bar halt abbrennt und sie dann zu Indiana Jones meint: Du hast alles zerstört! Indiana Jones, du verdammter Teufel, weißt du das? Wegen dir habe ich meine Bar verloren!“, wird gerade wieder mal einer von Indianas Begleitern erschossen, diesmal beim Diamantenaustausch am Anfang von Der Tempel des Todes im Restaurant.

„Weißt du, was ich so faszinierend finde, George Lukas und Steven Spielberg haben, warte, ich glaube so rum, es gibt eine Tonbandaufnahme von George Lukas und Steven Spielberg aus der Zeit, als sie ihre wichtigsten Trilogien gedreht haben und mir gefällt die Vorstellung, dass sie über so wichtige Themen wie die Darstellung von Frauen in Filmen und Feminismus zu ihrer Zeit geredet haben und dann so eine Figur erschaffen wie Prinzessin Leia; dass die üblichen weiblichen Figuren, die sie aus anderen Filmen kannten, so gar nicht die Realität widerspiegelten, was Frauen in echt schon alles erreicht und gemacht haben, nervte sie wohl. Sie wurden einfach nur schlecht dargestellt, unterrepräsentiert oder wurden für die Story als billiges Sexobjekt missbraucht.“ „Ha! Ja, genau! – Wobei Prinzessin Leia ja auch nur eine …“, verfällt er wieder ins Schwafeln, so als habe er sich einfach nur mal wieder an ein Wort aufgehängt und darauf seine ganze Antwort aufgebaut.

„Was wird denn hier gelacht?“, steht sie mit drei Bieren im Türrahmen und unterbricht Jan einfach mal in seinem sinnlosen Ranting. „Aus purer Verzweiflung.“, weil es verboten ist Leuten ins Gesicht zu schlagen. „Das ist nur noch Galgenhumor.“, kommt von ihm noch.

„Ah, ich höre mir in letzter Zeit übrigens immer einen Podcast von zwei Comedians an, Guys we fucked von, ich glaube, ähm ich meine, Sorry about last Night heißen sie, das sind zwei Freundinnen, die halt ausgelassen über ihr Sexleben reden, erst alte Liebhaber einladen, mit denen reden, und dann irgendwann andere Comedians. Eine fängt halt direkt an mit: Ich steh drauf Leute zu würgen! Nur beim letzten Mal ist der Typ einfach völlig ausgerastet, ich versteh das gar nicht. Ich hab nur meine Hand um seinen Hals gelegt und langsam zugedrückt. – – Und die Andere dann: What? Du kannst doch nicht einfach so jemanden würgen! Du musst doch wenigstens vorher fragen!“

„Ähm, wie kommst du denn jetzt darauf? Und viel wichtiger: Wie heißt die Sendung nochmal?“, fragt Jan fassungslos. „Guys we fucked.“ „Wie?“, fragt er wieder. „Guys we fucked – und ich hab dir schon mal gesagt, dass ich das nicht gut finde, wenn ich mich andauernd wiederholen muss.“ „Wäre das hier ein Film, würden sich spätestens jetzt wieder die Linken über die Unterrepräsentation von weiblichen Charakteren beschweren – oder anders ausgedrückt, dass sich die einzige weibliche Figur nur über Sex mit Jungs unterhalten will, ist skandalös!“, fängt sich Jan wieder. „Wir können dir ja einfach einen Schnurrbart mit Filzstift ins Gesicht malen; dann hätten wir die schlechte Quote sogar noch torpediert!“ „Ich glaube, das nimmt mir keiner ab; dafür bin ich einfach zu hübsch.“, entgegnet sie mir eingebildet. „Du weißt schon, dass ich jetzt nur zwei Möglichkeiten habe: Entweder ich stimme dir zu und mache mich damit zu einem Perversen, der dich auf dein Äußeres reduziert, oder ich widerspreche dir, dann hasst du mich dafür bestimmt.“

„Und da wären wir wieder bei: Wie komme ich darauf? George Lukas, Steven Spielberg, alles Männer, die sich über die Rolle der Frauen in der Gesellschaft unterhalten. In dem Podcast reden weibliche Comedians über ihre ersten sexuellen Erfahrungen, ihre Abenteuer im Bett; wenn das mal nicht empowering pur ist!“ „So wie bei dieser Semi-Doku aus Kopenhagen: Venus – Nackte Wahrheiten – hast du sie mir nicht sogar empfohlen, Maren?“, steigt Jan wieder ins Gespräch ein.

„Also reden wir nicht darüber, dass Indiana Jones ein seltsamer Typ ist? Ich meine, guckt es euch doch mal an. Er landet mitten im Nirgendwo, irgendwo in Indien und das erste, was er sagt: I am a Professor. I have to get back to my University.“, zeige ich nur fassungslos auf den Fernseher.

Kurzgeschichte

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