Musik lauter als Bomben?

„Musik lauter als Bomben?“ – eine Frage, die zugleich eine gekonnte Anspielung auf das neue Album der Donots war und die Veranstaltung einleiten sollte, aber fangen wir doch einfach vorne an, wie üblich bei so ’ner Berichterstattung mit dem üblichen Blabla und der üblichen Einleitung in das Thema, warum ich darüber schreibe, warum ich mich dafür interessiere und warum ich euch dafür interessieren will.

Schule ohne Rassismus, für die Aktion hatte ich im Laufe meiner Berufsausbildung im Klassenverband mitgeholfen Unterschriften einzusammeln und deshalb wurde meine ehemalige Klasse von unserem Klassenlehrer eingeladen an der Überreichung der Plakette teilzunehmen und so hab ich mich an diesem wunderschönen Mittwochmorgen ausgestempelt und meine Beine in die Hand genommen und bin von der Arbeit eben schnell dahin gehetzt.

Ich dachte die ganze Zeit, ich bin viel zu spät, aber als ich am Hintereingang der Aula auf einen Haufen Schüler und einige Lehrkräfte traf, die ebenfalls vor verschlossenen Türen standen, wusste ich, ich bin zwar nicht pünktlich, aber auch nicht zu spät.

Meine Idee war, sich hinten leise und unauffällig reinzuschleichen, zwischendurch einmal meinem ehemaligen Klassenlehrer Hallo zu sagen, mich für die persönliche Einladung zu bedanken und nach der Veranstaltung wieder zur Arbeit zu gehen.

Als wir dann endlich reingelassen wurden, hörte ich meinen ehemaligen Klassenlehrer nur als Mirco-Test sowas nuscheln wie: „Wir fangen dann gleich an. Rockstars – was soll ich da sagen?“

Als endlich ein wenig Ruhe eingekehrt war, stellte er den langen Weg hin zum Projekt Schule ohne Rassismus vor; schließlich wäre das Hansa Berufskolleg nun die erste Berufsschule in Münster, die diese Plakette bekam, und das allein war schon eine große Sache für eine kleine Berufsschule – im Nachhinein wurde an mich herangetragen, dass das Hansa Berufskolleg nicht die erste Berufsschule in Münster ist, die diese Plakette bekam.

Der Weg dahin begann auf jeden Fall mit einem Projekt namens Hansa Fairbindet, einem Thementag zu Inklusion und Teilhabe von behinderten Menschen mit verschiedenen Workshops und Vorträgen. Und die Klasse, die dafür verantwortlich war, hatte auch den Stein ins Rollen gebracht zu Schule ohne Rassismus – sie wollten nach dieser gelungenen Aktion mehr machen, mehr erreichen und das gemeinsame Miteinander stärken.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich meinen Klassenlehrer mal im Vertrauen fragte, ob diese Aktionen überhaupt etwas bringen würden, so vom Kosten/Nutzen-Faktor betrachtet. Seine Antwort überraschte mich damals nicht, auf so eine Antwort hatte ich eigentlich gehofft (nicht wortwörtlich) : „Natürlich bringt das was! Wir wollen den Schülerinnen und Schülern an unserer Schule einen gewissen moralischen Kompass mit an die Hand geben, andernfalls könnten wir ihnen auch nur Buchführung und Gesetze reinprügeln und sie wieder zurück in die Betriebe schicken!“

Meine Klasse hatte dann einen entscheidenen Anteil an der Durchführung zur Stimmensammlung. Ich erinnere mich auch noch vage an die vielen Torten-Diagramme und Flyer, die wir den ahnungslosen Schülern, mit lauter Informationen gespickt, unter die Nase hielten, sie damit fast überforderten, zum Unterschreiben anzuregen, auf jeden Fall bestimmt ab einem gewissen Punkt langweilten – oder mach ich das jetzt nur mit euch Lesern in meinem Text?

Keine Panik, ich komme gleich noch zum spannenden Teil, zum Auftritt der Donots! Die wurden nämlich als Paten für die ganze Aktion ausgesucht und haben sich dafür selbstverständlich bereit erklärt und wurden deshalb zur Plakettenübergabe eingeladen und vorher gab es noch ein kleines Frage-Antwort-Spiel bezüglich ihres Engagements als Band, zu ihrer Motivation politische Songs zu schreiben und sie sprachen über ein paar Highlights ihrer Karriere bezüglich Flagge zeigen gegen Rechts!

Alles in allem war es eine Runde Sache, man merkte die Donots sind bei sowas mitttlerweile Vollprofis und beantworteten jede Frage mit einer Prise Humor und Selbstironie.

Natürlich seien sie nur eine Punk-Band, seien damals nur Teenager gewesen, die gegen die Langeweile zu den Instrumenten gegriffen hatten, aber wenn man eine gewisse Reichweite erreicht hat, sollte man seinen Einfluss benutzen und Sachen ansprechen, die in unserer Gesellschaft falsch laufen, unter anderem der Rechtsruck in unserer Gesellschaft!

Als gefragt wurde, ob sie schon einmal selber Zivilcourage beweisen mussten, erzählten sie eine kleine Anekdote von ihrer Tour, als ein paar Linke von Rechten verfolgt wurden und sie dann mit ihrem Bandbus an die Straßenseite gefahren sind, angehalten haben und alle Mann, zwanzig Leute waren wohl im Bus, dann raus sind und sich denen entgegen gestellt haben, die Jugendlichen so beschützt haben.

Die Donots geben zu, dass man sowas natürlich als Gruppe generell besser machen kann. Wenn man bei sowas Flagge zeigt, hat man natürlich bessere Überlebenschancen als eine einzelne Person. Deshalb bewundern sie auch Leute, die sowas ganz alleine durchziehen und sich für die richtige Sache einsetzen; sowas würde einfach Respekt verdienen.

Die Schüler hatten ihren Fragen noch ein paar Videoaufnahmen von Auftritten vorangestellt und über dem Beamer ein paar Facebook-Posts gezeigt, die die Podiumsdiskussion auflockern sollten.

Wer Donots-Fan ist, wird wissen, worum es geht. Einmal um die berüchtigte Anti-Nazi-Flagge auf dem Zeppelinplatz, ihnen sei klar gewesen, dass sie einem historisch belasteten Platz wie dem Zeppelinplatz mit so einer Aktion nicht die bösen Geister austreiben könnten, aber sie wollten es zumindest versuchen! – und dann wurde noch über das Protest-Konzert zum AFD-Neujahrsempfang auf dem Prinzipal-Markt und einmal über den Auftritt bei Stefan Raab, dem Bundesvision-Song-Contest 2015, gesprochen.

„Da hieß es von den Veranstaltern, benutzt den Auftritt bitte nicht als politische Bühne und da meinten wir, dann fahren wir eben wieder und uns war sowieso von vorn herein klar, dass ist eine live-Sendung, uns kann so schnell niemand den Saft abdrehen – Punk muss eben liefern!“

Und auch an diesem Tag lieferten sie! Sie betonten zwar immer wieder, sie seien nur eine Punk-Band, aber sie hatten auch gut sitzende Sprüche gegen rechtes Gedankengut auf Lager, haben gute Argumente eingebracht, warum man so Parteien wie die AfD nicht wählen sollte, dass man sie fast als Botschafter gegen die AfD auszeichnen könnte; trotzdem seien sie nur eine Punk-Band – aber Gott verdammt, was für eine Punk-Band!

Sie spielten noch für die versammelte Schülerschaft ein paar Songs unplugged und ließen die Veranstaltung mit Hansa-Ring 2:10 Uhr stilecht ausklingen … jedenfalls für mich; ich bin danach nämlich schnell wieder zur Arbeit getigert und habe mir abends direkt das neue Album Lauter als Bomben bestellt!

Veranstaltung

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