Sonntagmorgen

Wenn man nicht schreiben will, was man schreiben kann, ist es fast so, als würde sich ein Sprinter bei den Olympischen Spielen absichtlich zurückhalten, weil ihm sonst jemand aus dem Publikum mit durchgestrecktem Bein mit ganzer Kraft mit Stollenschuhen voraus ins Knie springen und so die Sportlerkarriere für immer beenden könnte – oder sowas in der Art.

Ich bin gerade ziemlich aufgebraucht, auf Metapher Reservetank. Das ganze Wochenende habe ich nun schon damit verbracht Songs zu finden, – oder wenigstens einen Song, der meine Stimmung widerspiegeln könnte; wie neuerdings jeder dahergelaufene Geschichtenerzähler, um die Gefühle zu verstärken und den Leser noch mehr in den Bann zu ziehen.

Ich bin auf „You & Me & Me“ by You Blew It!, auf Into It. Over It. – The Shaking Of Leaves, auf ein paar Video-Auftritte von Sabrina Benaim, auf Ólafur Arnalds – Particles ft. Nanna Bryndís Hilmarsdóttir und noch einige mehr gestoßen, aber alle konnten nicht genügend umschreiben, sodass der Leser nicht direkt darauf kommt, was gerade in meinem Leben abgeht – warum müssen meine Texte auch immer etwas über mein Leben preisgeben? Wer beschließt sowas?

Kann ich nicht einfach irgendwie irgendwas schreiben? Vielleicht völlig abenteuerlich, dass ich eines Morgens aufwache und eine Kröte bin oder alles so ist wie damals, dass ich eine zweite Chance kriege?

Nur leider funktioniert das Leben nicht so, wie ich mir das immer mal gerne ausmale, mit Happy-End am Ende des Artikels, leider ist das Schicksal oft genug ein mieses Arschloch zu dir und du musst trotzdem weiter machen, egal wie oft dich das Leben schon gefickt hat, musst du jeden Morgen auf’s Neue den Kampf gegen den inneren Schweinehund schaffen, wenn du etwas im Leben erreichen willst; – falls du etwas im Leben erreichen willst.

Das ist ja gerade das Wunderbare an unserer Existenz hier auf der Erde, dass scheinen alle immerzu zu vergessen, du kannst auch nichts wollen und trotzdem den Alltag genießen und Gott, ich werde ja so langsam zu einem beschissenen Abziehbild meiner Selbst, zu einer scheiß Parodie!

Ich sollte den Akt des Schriftstellers schnell wieder aufgeben, das gestochene Reden, das viele Blabla, die Tricks und Spielchen, die Feindseligkeit gegenüber jedem, der mir mal Unrecht getan hat, denn, wenn das Leben nur halbwegs fair wäre, sitzen diese Leute auch bis spät in die Nacht vor ihrem Computer oder stehen stundenlang vor dem geöffneten Kühlschrank und träumen von Vergebung / hoffen auf ein Wunder, auf eine simple Antwort, die ihr Lieblingsblogger mit schlechten Youtube-Videos unterlegen kann, um deren emotionale Bedeutung zu verdeutlichen; mit etwas Glück macht das auch noch halbwegs Sinn oder hat irgendeinen comic-relief!

Wow, das rutschte heute ja ziemlich schnell ins Depressive; aber so ist das vermutlich, wenn man die ganze Nacht an einem Text gearbeitet hat, der niemals das Tageslicht erblicken wird … wieder so einer von der Sorte, zu persönlich, zu intim, zu wenig Eier in der Hose, um ihn schlussendlich zu veröffentlichen.

Tagebuch

Stefan Schürrer View All →

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